The 13th Floor
(The Thirteenth Floor, 1999)
 

 
BMG Video
Science Fiction,

97min, FSK 12, DVD-9, Widescreen, 2.35:1 (anamorph), PAL, EAN: 743217528195

Wertung und Kurzfazit
 
Film (5/5) - Bild (2/5) - Ton (4-5/5) - Features (4/5) - Fazit (3-4/5)


 
Review von Martin Grochholski (27.09.2002)

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„The Thirteenth floor“ ist einer dieser Filme, die man viel zu lang vor sich herschiebt. Schließlich gibt´s die DVD auch schon seit über zwei Jahren, was sich insbesondere in der nun erforderlichen Neubewertung des Reviews zum Ausdruck bringen wird. Fakt ist, das dieser ausgesprochen kreative Streifen wohl mit zu den besten gehört, die man rund um´s Cyber-Dualwelt-Genre anschauen kann. Eine verwobene, aber keineswegs wirre Story sowie ausdrucksstarke Darsteller und eine faszinierende Optik geben dem Film genau den richtigen Touch, um ihn aus der breiten Masse hervorzuheben...
 
Douglas Hall und Hannon Fuller sind die ungekrönten Könige im Bereich der künstlichen Intelligenz. In der 13. Etage ihres gigantischen Bürogebäudes arbeiten sie schon seit sechs Jahren an einer perfekten Simulation des Los Angeles der 30er Jahre. Doch plötzlich wird das Erfolgsteam jäh ausgebremst: Erfinder und Schöpfer Fuller wird eines Morgens brutal ermordet aufgefunden – und alle Indizien zeigen auf seinen Kompagnon Douglas.
Als dann auch noch die Tochter Fullers aus Paris auftaucht, ist die Verwirrung komplett: Hall hat von der schönen Jane Fuller noch nie etwas gehört. Und auch Detective Larry McBain ist ausgesprochen skeptisch, was die ersten Kontakte in seinem Mordfall anbelangt.
Je tiefer sich Douglas in seine eigene und die künstliche Welt begibt, umso merkwürdiger erscheinen im die Erkenntnisse, die er daraus bezieht.
Gibt es eine gigantische Verschwörung rund um das Projekt? Geht es etwa nur um das Testament Hannon Fullers? Oder ist es gar möglich, dass es den Individuen aus den elektronischen Käfigen im 13. Stock möglich geworden ist, sich frei zwischen den Welten zu bewegen...?
 
Obwohl auf dem Cover der DVD hauptsächlich der illustre Name Roland Emmerichs für erstes Interesse sorgt, liegen die Qualitäten des Filmes doch bei ganz anderen schauspielerischen Größen. Beispielsweise bei Armin Müller-Stahl, der den Hannon Fuller bzw. Grierson mimt. Oder auch bei Gretchen Mol, die seine Tochter darstellt. Oder insbesondere bei Craig Bierson, den wir spätestens als Bösewicht aus „The Long Kiss Goodnight“ kennen. Aber auch andere bekannte Gesichter sind mit von der Partie: Dennis Haysbert („24“, „Heat“), mimt einen ganz typischen amerikanischen Detective und auch Vincent D´Onofrio („The Cell“!) ist einmal mehr in beeindruckender Höchstform zu sehen.
Regie geführt hat Josef Rusnak, der neben zwei Schimanski-Streifen in der Hauptsache TV-lastig unterwegs war. Nun: und neben Roland Emmerich achteten immerhin noch sechs weitere Produzenten auf Qualität und Budget – natürlich innerhalb der bekannten Kombos, versteht sich.
Macht aber alles gar nichts: die Stars sind spitze, die Story ganz hervorragend und überhaupt übt „The Thirteenth Floor“ einen sagenhaften Reiz aus, der ruckzuck in der Geschichte versinken lässt und seine Zuschauer aufgrund spannender und geheimnisvoller Erzählweise gekonnt am zu frühen Auftauchen hindert. Garant dafür ist natürlich das mittlerweile recht häufig zitierte Thema paralleler Welten. Dieses Mal geht´s allerdings nicht gar so apokalyptisch zu wie beispielsweise in „The Matrix“ – noch immer dominiert eine intakte reale Welt, aus der heraus die Ereignisse ihren Lauf nehmen. „The Thirteenth Floor“ gibt sich auch deutlich bodenständiger als beispielsweise der wirre, aber extrem gute „existent“ von David Cronenberg, der kraft seiner berühmten Handschrift für eine albtraumhafte Story sorgte. Und gar so skurril wie in „Dark City“, dritter der in jedem Fall zu nennenden Vergleichstitel im Bunde, geht´s auch nie zur Sache.
Was aber eines definitiv nicht heißen soll: das „The Thirteenth floor“ ein abgedroschenes Plagiat sei. Das Gegenteil ist der Fall: was uns Drehbuchautor Daniel F. Galouye hier vorsetzt, ist intelligentes Verwirrspiel und packender Suspense-Thriller zugleich. Gekonnt bedienen sich Erzähler, Darsteller und Visualisierer bei der Neugier des Zuschauers, führen in gleich über mehrere Etagen („floors“) an der Nase herum und entlassen ihn dann in eine ausgesprochen nachdenklich stimmende Zukunftsvision.
 
Hauptthema neben dem eigentlichen Mordfall und seinen Hintergründen sind dabei die schon nahezu philosophischen Grundzüge der Auseinandersetzung mit der Wertigkeit künstlicher Intelligenzen. In „The Thirteenth Floor“ wird dieser Disput zwar durch Verdrängen sämtlicher Probleme bei der Erschaffung künstlicher Welten auf arg geschönte Weise angeregt, das macht aber nichts. Viel sinniger als endlose Debatten zu den Themen „funktionierende Physik“, „künstliche, lernfähige und emotionale Wesen“ und anderen sich mit diesem interessanten Abschnitt zeitgemäßer Computertechnik befassenden Fragen erscheint letztlich die Frage nach der Moral. Wenn es Wissenschaftlern gelingt, eine sich selbst erhaltende, erschaffende und mit Regeln ausstattende Welt zu erzeugen, in der Abbilder von Menschen originalgetreuen Kopien von Moral, Werten und anderen grundlegenden Dingen des Lebens nachgehen – wie tief darf man dort dann eingreifen? Darf man überhaupt eingreifen? Und was, wenn die simulierten Menschen plötzlich die Begrenztheit ihrer Welt erkennen und ihren wahren Ursprung verstehen lernen?
„The Thirteenth Floor“ gelingt es aufgrund seiner stellenweise hypnotischen Erzählweise und der durchweg nahezu bedrückten, melancholischen Stimmung ganz hervorragend, die gefährlichen Klippen des Themas zu umschiffen und dem Zuschauer Langeweile zu ersparen. Irgendwo zwischen Science Fiction, Romanze/Drama und Krimi/Thriller angesiedelt entfaltet der Film nach und nach seine Wirkung auf vielen Ebenen zugleich, legt gemeine Spuren aus, verdreht Grundannahmen des aufmerksamen Zuschauers und überrascht gleich mehrmals. Ich selbst hätte mir lediglich ein verkürztes Ende gewünscht – was so im Film zu sehen ist, ist zwar in jedem Fall stimmungsvoll, wirkt dann aber doch ein wenig aufgesetzt. Mag sein, dass dieser Eindruck lediglich von der persönlichen Stimmung abhängt, der wunderbar pessimistische Ausklang des „Pre-Endes“ hätte dem Film aber meiner Meinung nach zu noch stärkerem Eindruck verholfen.
 
So oder so ist es dann aber auch wieder egal: der beständige Tanz zwischen den Welten wird geschickt eingeleitet, nach und nach unendlich verdichtet und explodiert förmlich in einer gravierenden Enthüllung nach der nächsten. Und das, wie gesagt, ohne sich je mit so mauen (wenn auch unterhaltsamen) Cyberspace-Szenarien wie „Der Rasenmäher-Mann“ vergleichen lassen zu müssen. Überhaupt ist es gerade die ultra-realisitische Optik des Filmes, die ruckzuck in den Bann zieht. Der edle Technolook der „Hier-Welt“, illustriert durch unterkühlte Bilder, viel Glas und Stahl und vornehmlich Regen, wird immer wieder durchsetzt durch die bewusst ockerfarben gehaltenen Eindrücke aus der Simulation. Dort wurde mit massivem Aufwand das Los Angeles der 30er Jahre rekonstruiert, was sich in stellenweise sehr guten Kulissen und einer immensen Fülle an Details äußert.
Bravourös aber auch die Wandlungsfähigkeit der Darsteller, die in der Regel wenigstens zwei Rollen zu verkörpern haben. Durch den (filmischer Begriff) Prozess des „Downloadens“ und basierend auf der Technik, um die es letztlich geht, kann sich jeder beliebige Mensch aus der „Hier-Welt“ in die Simulation versetzen. Dabei nutzt man nicht etwa wie in „Matrix“ lustige Telefonzellen, sondern ersetzt simulierte Wesenheiten durch das eigene Ich. Eine der Grundspannungen des Filmes basiert letztlich sogar gerade darauf, dass nicht nur eine Hinzufügung stattfindet, sondern für die Dauer des Aufenthaltes sogar eine echte Austauschung vollzogen wird – auch wenn dies eine der wenigen gravierenden Künstlichkeiten des Streifens sein mag.
 
Wie auch immer: die stetig an Spannung und Fahrt gewinnende Story mutiert zu keiner Zeit zur albernen Actionposse, sondern setzt sich vielmehr mit ihren Figuren und der alles bewegenden Frage auseinander: „Wenn ich mich so einfach in ein simuliertes Wesen hineinversetze – ist das dann rechtens?“ Besitzergreifung ist dabei das alles beherrschende Thema, welches sich durch den Simulationsvorgang an sich, die materiellen Hintergründe der Unternehmung und sogar auch auf emotionaler Ebene auswirkt.
Eine hervorragende Gretchen Mol beispielsweise verliebt sich in den Mann, der nach Auffassung der Polizei ihren Vater ermordet haben soll. Alibi: das Testament und die Firma. Aber auch eine simulierte Wesenheit verliebt sich in etwas ganz anderes: die Idee, den Grenzen der Simulation entfliehen zu können, um ein wirkliches Leben zu führen.
Beeindruckende Bilder, eine tolle, ruhige Kameraführung sowie eine imposante, von vorn bis hinten zum Film passende Musik unterstreichen die akkurat bemessenen 97 Minuten dann nur noch... Eine echte Empfehlung meinerseits!
 
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