
Dornröschen (Special Collection) (Sleeping Beauty, 1959)

Zeichentrick,
 72min, , , Widescreen, (anamorph), PAL, EAN: 4011846003779 |
Wertung und Kurzfazit
| | (3-4/5) - (3-4/5) - (3/5) - (4-5/5) - (4/5) |
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| Review von (08.03.2002)
 Gesamtansicht | Zum Film Wer kennt sie nicht, die klassischen Märchen der Gebrüder Grimm? Irgendwann während der Kindheit hat sicher jeder einmal Kontakt mit „Hänsel und Gretel“, „Schneewittchen“, „Rotkäppchen“ oder „Dornröschen“ als Gute-Nacht-Geschichte, Hörspielkassette, Buch oder eben als Film gehabt. All diese Märchen haben eines gemeinsam: Sie waren wegweisend für die Entwicklung moderner Fantasy-Literatur und haben Motive hervorgebracht, die aus der abendländischen Kultur nicht mehr wegzudenken sind. Sei es der verwunschene Wald, der verzauberte Prinz oder die wunderschöne Königstochter, diese Bestandteile klassischer Märchen tauchen in der einen oder anderen Form immer wieder auf. Und auch Ziel von Persiflagen waren Märchen schon: Geradezu perfekt zelebriert wurde der ironische Seitenhieb auf die klassischen Märchenmotive in „Shrek“ von Dreamworks. Disney, die größte und erfolgreichste Zeichentrickschmiede der Vereinigten Staaten hatte schon von Anbeginn ein Faible für Grimms Märchen. 1937 erschien „Schneewittchen“ („Snowwhite and the seven dwarfs“) und wurde zum Vorreiter für die typischen Disney-Elemente: Perfekte Animation, einprägsame Charaktere und Musik die – Disney-Fans mögen es mir verzeihen – oft die Grenze zum Kitsch überschritt. 1950 folgte dann „Aschenputtel“ („Cinderella“) und zwei Jahre später machte man sich an die Vorbereitung zu „Dornröschen“ („The sleeping beauty“). Erst nach 6 Jahren Arbeitszeit wurde der Film dann 1958 veröffentlicht. Obwohl eigentlich jedem die Geschichte von „Dornröschen“ bekannt sein sollte, ist es interessant, einen kurzen Überblick über die Handlung zu geben, da Disneys Version doch ein wenig von der Fassung der Gebrüder Grimm abweicht: Dornröschen, hier Aurora genannt, kommt als Königstochter zur Welt. Schon kurz nach ihrer Geburt wird sie Prinz Phillip, dem Sohn eines befreundeten Königs, versprochen, da die beiden Väter planen, ihre Reiche zu vereinen. Zu dieser Feierlichkeit sind auch die drei guten Feen Flora, Fauna und Sonnenschein eingeladen. Die ersten beiden schenken dem neugeborenen Kind die Schönheit und eine wundervolle Stimme. Kurz bevor die dritte Fee ihr Geschenk am Bett des Kindes abgeben kann, erscheint die böse Fee Malefiz. Diese ist so erzürnt darüber, das sie nicht zum Fest eingeladen wurde, daß sie Prinzessin Aurora verflucht: Sie soll sich an ihrem 16. Geburtstag an einer Spindel stechen und sterben. Die dritte Fee kann diesen Fluch nicht mehr umkehren, sondern nur noch abmildern: Aurora soll nicht sterben, sondern in einen tiefen Schlaf fallen, aus dem sie nur durch einen Kuß ihres Liebsten erwachen kann. Um dem Fluch der bösen Malefiz zu entkommen, ziehen die drei guten Feen als Bauernfrauen verkleidet mit Aurora, die sie nur noch „Röschen“ nennen, in eine kleine Hütte im Wald, um dort ihren 16. Geburtstag zu erwarten. Zeichnerisch und technisch ist „Dornröschen“ ein absolutes Meisterwerk, das definitiv auf der Höhe seiner Zeit ist: Für den ersten abendfüllenden Trickfilm von Disney der im Scope-Format gedreht wurde, haben die Zeichner wundervolle Breitwandhintergünde geschaffen. Vorallendingen die Außenansicht des Schlosses, sowie der Thronsaal sind absolute Schmuckstücke, die vor Detailreichtum (Wappen, Wandteppiche, u.v.m.) nur so strotzen. Für die Animationen einiger Szenen (Dornröschens Tanz, der finale Kampf Prinz Phillips mit dem Drachen) wurden Fotos von Modellen, die diese Sequenzen vorgespielt haben, als Vorlage verwendet, was zur Folge hat, daß die Bewegungen der Figuren einen erstaunlichen Realismus bekommen. Ein Realismus, der fast noch über das hinausgeht, was man inzwischen von Computer-Trickfilmen wie „Shrek“ oder „Toy Story“ her kennt. Musikalisch ging Disney ganz klassische Wege. Das bekannte „Dornröschen – Ballet“ von Peter Tschaikowsky bildet den Hauptbestandteil der oscar-nominierten Filmmusik, die neu arrangiert und durch die Disney-typischen Songs ergänzt wurde, welche sowohl von einem Chor, als auch von Solisten dargeboten werden. Den zeitweise vorhanden Kitsch der Lieder kann man bei „Dornröschen“ allerdings durch das Alter des Filmes entschuldigen. Leider ist die Handlung der größte Schwachpunkt des Filmes. Sicherlich liegt das zum einen an der Tatsache, daß der Großteil der Geschichte - samt Ende - bekannt ist. Andererseits ist den Drehbuchschreibern bei Disney aber auch nichts wirklich interessantes eingefallen, um den langatmigen Mittelteil, der in der Waldhütte der drei Feen spielt, interessanter zu gestalten. Erst gegen Ende bekommt der Film etwas mehr Pep, Humor, Action und Spannung. Generell wird „Dornröschen“ durch eine sehr ruhige Erzählweise geprägt, an die sich der Zuschauer unserer Tage erst einmal gewöhnen muß. Bemerkenswert als „moralischer Einschub“ (der bei der Grimmschen Version der Geschichte nicht vorhanden war) ist sicherlich, daß Disneys „Dornröschen“ ein klares Plädoyer gegen „das Hochzeits-Versprechen von jungen Kindern“ ist, welches ja auch heutzutage noch in einigen Kulturen praktiziert wird: Prinzessin Aurora als Hauptidentifikationsfigur entscheidet sich trotz ihrer adligen Abstammung gegen den für sie „vorgesehenen“ Prinz Phillip und für den geheimnisvollen Fremden, den sie im Wald trifft. Das es sich dabei um ein und die selbe Person handelt ist eine Ironie des Schicksals. „Dornröschen“ ist rein technisch gesehen ein grandioser Zeichentrickfilm, der perfekte Animation vor wunderschönen Hintergründen bietet. Auch die klassische Musik macht dem Zuschauer eine Menge Freude. Leider fehlt aber die Substanz einer packenden, straff inszenierten Handlung, Und auch das typisch kitschige Happy-End darf nicht fehlen, obwohl man dieses natürlich nicht Disney anlasten kann, schließlich gab es das auch schon bei der Grimmschen Version von „Dornröschen“. Trotz der geringen Laufzeit von nur 74 Minuten zieht sich der Film im Mittelteil. Insbesondere Kinder, die den schnellen, actionreichen Zeichentrick der heutigen Zeit gewöhnt sind, könnten sich schnell langweilen. Somit bleibt ein Film übrig, den wohl am ehesten Filmhistoriker aufgrund seiner filmtechnischen Vorreiterfunktion schätzen werden. Zum Bild Das anamorphe Bild im Original Kino-Format von 2.35:1 dieses nun schon 44 Jahre alten Filmes wurde einer aufwendigen Restaurierung unterzogen und das sieht man auch: Nur äußerst vereinzelt kann man die typischen Alterserscheinungen wahrnehmen, ansonsten wirkt das Bild strahlend sauber. Auch die Schärfe- und Kontrastwerte liegen in einem äußerst zufriedenstellenden Bereich, so daß auch kleinste Details der Zeichnungen gut erkennbar sind. Nicht ganz so zufrieden sein kann man mit dem Rauschverhalten des Bildes. In hellen, farbigen Szenen ist davon zwar so gut wie nichts zu sehen, wird das Bild aber mal dunkler, fällt doch ein beständiges Hintergrundrauschen ins Auge. Unangenehm wird es, wenn eine Sequenz sowohl helle als auch dunkle Anteile hat. Als Beispiel sei hierfür eine Szene genannt, in der die böse Fee grünlich schimmernd durch Dornröschens Schloß schwebt. Dann nämlich taucht eine Bildstörung auf, die ich bisher noch auf keiner DVD sehen konnte: Das Bild wird unruhig und flackert horizontal in den Bereichen, in denen Helligkeit vorhanden ist. Sieht man von diesem Effekt ab, der zum Glück auch nur ganz selten auftritt, macht das Bild von „Dornröschen“ aber gerade im Anbetracht des hohen Alters eine wirklich gute Figur. Zum Ton Auch am Ton wurde von Disney kräftig rumgefeilt : Aus dem ehemaligen Monosoundtrack wurde eine Dolby Digital 5.1 – Spur. Von einer tatsächlichen Ausnutzung der 6 Kanäle kann aber nicht die Rede sein. Zu sehr konzentriert sich der Ton auf die vorderen Boxen. Auf den hinteren Boxen passiert so gut wie nichts. Ebensowenig wird der Subwoofer beansprucht, den man getrost abstellen kann. Hier macht sich das Alter des Filmes von 44 Jahren doch recht deutlich bemerkbar, das ebenfalls durch den sehr begrenzten Dynamikumfang hörbar ist. Was dann allerdings aus den Boxen zu vernehmen ist, hinterlässt einen durchwegs positiven Eindruck: Die Dialogverständlichkeit ist gut, wenngleich die Synchronisation einen recht altbackenen Touch hat. Die Musik verteilt sich ebenso wie die vereinzelten Effekte sauber auf die Stereo-Front. Insgesamt lässt sich dem Ton eine durchaus befriedigende Note zusprechen, wenn auch zu bemerken ist, daß eine ordentliche Stereo-Abmischung voll ausgereicht hätte. Aber das Zeichen „5.1“ macht sich halt immer gut auf einem DVD-Cover. Zu den Features Erstes Indiz für die zumindest quantitative Güte der Extras ist die Tatsache, daß „Dornröschen“ gleich auf zwei DVDs ausgeliefert wird. Auf der ersten DVD findet sich neben dem Hauptfilm ein 16 minütiges „Making Of“, welches eine interessante und kurzweilige Retrospektive ist, die sowohl die damaligen „Macher“, als auch einen Filmhistoriker zu Wort kommen lässt. Wohl nur für Kleinkinder interessant sind das „Malstudio“ und das „Abenteuerspiel“: recht simple Klick-Orgien mit der Fernbedienung, die aber optisch hervorragend präsentiert werden. Etwas interessanter für den Nachwuchs ist da wohl „Art Attack: Wir basteln ein Schloß“, eine Bastelshow, die auch im Disney-Channel ausgestrahlt wird. Hier wird gezeigt, wie man mit einfachen Mitteln das Dornröschen-Schloß nachbauen kann. Auf DVD 2 erwarten den geneigten Filmfan als erstes eine ganze Reihe höchst ausführlicher Texttafeln zur Entstehung der „Dornröschen“-Geschichte und den ersten Entwürfen des Filmes. Weiter geht es mit Storyboards zu zwei Szenen, die hintereinander weg gezeigt werden und mit dem Original-Filmton untermalt sind. Es folgen kurze, aber interessante Featuretten zu den Themen „Die Musik“, „ Das Design“, „Wie die Hintergründe entstanden“, „Die Restaurierung“. Besonders aufschlußreich ist auch das Feature „Vorbilder aus dem echten Leben“. Hier wird anhand von Fotos gezeigt, wie die Modelle damals einzelne Szenen vorgespielt haben, um den Animationskünstlern Anhaltspunkte zu geben. Als nächstes kann man sich einen „on screen“ Vergleich zwischen der Widescreen- und der Pan-and-Scan-Version des Filmes anhand einiger Ausschnitte ansehen. Erwähnenswert sind auch die äußerst umfangreichen und teilweise wunderschön in animierte 3D-Menüs verpackte Bildergalerien, bei denen man sozusagen virtuell ein Disney-Museum besuchen kann. Das war aber noch lange nichts alles, denn noch sage und schreibe drei filmische Extras, die jeweils(!) eine Länge von ca. 25-30 Minuten aufweisen, warten auf den Zuschauer. Als erstes findet man „Wie ein Baum gemalt wird“, eine Original-Dokumentation aus den fünfziger Jahren, welche die Disney-Zeichenkünstler bei ihrer Arbeit zeigt. „Die Peter-Tschaikowsky Story“ ist ein netter Kurzfilm über den russischen Komponisten und seine Beziehung zur „Dornröschen“-Geschichte, der bei der Uraufführung von Dornröschen im Vorprogramm lief. Dies war ebenfalls der Fall bei „Grand Canyon“. Hierbei handelt es sich um einen besonderen Leckerbissen: Dieser im Scope-Format gedrehte Kurzfilm wurde 1959 mit dem Oscar für den besten Realkurzfilm ausgezeichnet und zeigt traumhafte Bilder des Grand Canyon, untermalt mit der „Grand Canyon Suite“ des amerikanischen Komponisten Ferde Grofe. Bei der Zusammenstellung der Extra-Features zu „Dornröschen“ hat Disney es recht gut geschafft, sowohl für das jüngere Zielpublikum, die Kinder, als auch für den echten Filminteressierten interessantes Hintergrundmaterial zusammenzustellen. Den Beinamen „Deluxe Edition“ hat sich diese DVD auf jeden Fall verdient. Da der Layerwechsel gut am Schluß einer Szene gesetzt wurde und es auch deutsche Untertitel für Hörgeschädigte auf die Scheibe geschafft haben, kann es für die Ausstattung von „Dornröschen“ nur eine gute bis sehr gute Bewertung geben. Fazit „Dornröschen“ ist ein zeitlos schöner Zeichentrickfilm, der durch seine künstlerisch ansprechenden Zeichnungen und perfekte Animationen begeistern kann. Der Film schwächelt aber speziell durch inszenatorische Längen, die gerade von Kindern ein erhöhtes Maß an Durchhaltevermögen abverlangen. Auch die Handlung der „Dornröschen“-Geschichte dürfte den meisten Zuschauern des Jahres 2002 ein Begriff sein, wenngleich der Film hier die ein oder andere Variation bietet, die so nicht in der Grimmschen Fassung vorkam. Auf technischer Ebene wird ein gutes, wenn auch nicht perfekt restauriertes Bild geboten. Der Ton kann trotz all seiner altersbedingten Einschränkungen befriedigend gelten. Im Bereich der Extras bietet Disney das volle Programm. Hier bleiben eigentlich keine Wünsche offen. Somit ist „Dornröschen“ eine DVD, die sowohl für Disney-Fans als auch für Filmhistoriker (wegen der höchst interessanten Kurzfilmbeigaben) besonders zu empfehlen ist. Alle Anderen sollten sich die Scheibe probeweise einmal ausleihen.
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