Star Wars - Episode 1 - Die dunkle Bedrohung
(Star Wars: Episode I - The Phantom Menace, 1999)
 

 
FOX
Action/Science Fiction,

130min, FSK 6, DVD-9, Widescreen, 2.35:1 (anamorph), PAL, EAN: 4010232008374

Wertung und Kurzfazit
 
Film (3-4/5) - Bild (4/5) - Ton (5/5) - Features (5/5) - Fazit (4-5/5)


 
Review von Burkard Kirchner (31.10.2001)

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Zum Film
 
Es war einmal vor langer Zeit an einem weit, weit entfernten Ort namens Hollywood: ein junger Filmemacher namens George Lucas, der zuvor nur mit der düsteren, anspruchsvollen Anti-Utopie ´THX1138´ aufgefallen war, rettete 1977 die Filmfirma ´20th Century Fox´ mit einem archetypischen, märchenhaften, naiv-romantisch stilisierten Sagen- und Mythenverschnitt im Sci-Fi-Gewand modernster Tricktechnik, das als eine der bemerkenswertesten und filmhistorisch bedeutsamsten Innovationen im Sci-Fi/Fantasy-Bereich in dessen Genrehistorie einging und die Filmgattung ´Space-Opera´ (´Weltraum-Märchen´) erschuf, vor dem Ruin - der Titel des Filmes: Star Wars (´Krieg der Sterne´). Dessen unvorstellbarer kommerzieller Erfolg zog nicht nur zwei kaum weniger erfolgreiche Fortsetzungen nach sich, deren Mittelteil (´Das Imperium schlägt zurück´, USA 1980) unzweifelhaft als absoluter künstlerischer, dramaturgischer und atmosphärischer Höhepunkt der Kult-Trilogie (und als das, bis heute ungeschlagen, schönste Weltraummärchen aller Zeiten) gelten darf, sondern setzte eine bis dahin unbekannte Wertschöpfungskette mit ´Begleitprodukten´ in Gang, die das sogenannte Merchandising als neue, scheinbar unerschöpfliche Nebenerwerbsquelle Hollywoods etablierte. Berauscht von seinem unerwarteten Erfolg kündigte Lucas seinerzeit sogar eine Ausdehnung des Mythos auf neun(!) Teile an, wobei die drei bislang existenten Filme den Mittelteil bilden sollten. Satte 20 Jahre mußten Star Wars-Fans auf eine (teilweise) Verwirklichung dieses Vorsatzes warten, bis 1999 der angebliche ´erste´ Teil der ´ersten´ Trilogie unter dem Titel ´The Phantom Menace´ (´Die dunkle Bedrohung´) erschien und für weltweites Aufsehen sorgte - ein Unterfangen, dessen Ergebnis nicht auf uneingeschränkte Begeisterung stieß.
Die beiden Jedi-Ritter Qui-Gon Jinn (müde: Liam Neeson, ´Schindlers Liste´) und Obi-Wan Kenobi (hölzern: Ewan McGregor, ´Trainspotting´) werden zum Planeten Naboo, der von den Raumschiffen der ´Handelsföderation´ belagert wird, geschickt, um den Konflikt nach Möglichkeit diplomatisch zu bereinigen. Als dieses Unterfangen scheitert und sie mit der Herrscherin des Planeten, Königin Amidala (zumindest bemüht: Natalie Portman) fliehen müssen, zwingt sie ein Maschinenschaden zu einer Notlandung auf dem Wüstenplaneten Tatooine (bekannt aus dem ersten Star Wars-Film), wo sie auf den Sklaven-Jungen Anakin Skywalker (naiv: Jake Lloyd) treffen und dessen gewaltige Veranlagung für die Nutzung der geheimnisvollen ´Macht´ erkennen. Nach seiner Befreiung und dem Weiterflug zum Regierungsplaneten Coruscant stimmt der Jedi-Rat trotz Bedenken seiner Ausbildung zum ´Jedi-Ritter´ zu - die Folgen sind bekannt.... Unterdessen nutzt der intrigante Senator Palpatine die politische Instabilität im Galaktischen Senat für seine Machtergreifungspläne aus, so daß Königin Amidala unverrichteter Dinge zu ihrem Heimatplaneten zurückkehren muß, um dort Verbündete für die unvermeidlich scheinende Schlacht gegen die Droidenarmee der Handelsföderation zu gewinnen...
 
Von der ersten bis zur letzten Minute merkt man diesem Film an, daß George Lucas seit über 20 Jahren nicht mehr selbst Regie geführt, sondern sich auf seine Hintergrundtätigkeit als Produzent konzentriert hatte, was zu Folge hat, daß er auf quasi sämtlichen Gebieten, die der Verantwortlichkeit eines versierten Regisseurs unterliegen, vollständig versagt. Nicht nur die Tatsache, daß Lucas sich der Tugenden seiner eigenen Erfolge nicht mehr zu erinnern vermag, nämlich der archetypischen Aufbereitung zeitloser mythologischer Muster und Motive in märchenhaftem Gewand, repräsentiert durch den ´Helden´, den ´Söldner´, den väterlichen Weisen, den ´schwarzen Ritter´, ´die Prinzessin´, ´die (göttliche) Macht´, die ´Versuchung´, die Rebellion und die finsteren Herrscher in ´Star Wars´ (und den Fortsetzungen), schmerzt, sondern auch seine weitgehende Unfähigkeit, diese Elemente in ´The Phantom Menace´ aus dem Abgrund absoluter Belanglosigkeit zu erheben. So stellt sich schon innerhalb kürzester Zeit vollständiges Desinteresse am quälend langatmigen Fortgang der mühselig konstruierten Handlung ein, weil es keinerlei ´unbewußt´ wirksame, Bestandteile dieser archetypischen Struktur und der in den alten Triolgie so einzigartig gelungenen Verknüpfung derselben mit den handelnden Charakteren mehr gibt, sondern nur hohles, peinlich-pathetisches Geschwafel, das inhaltlich an Elemente der alten Trilogie anzuknüpfen sucht, dabei aber nur als umso ärmlicherer, hilflos-bemühter Versuch der Erinnerung an ´bessere Zeiten´ wirkt. Die wenigen verbliebenen, quasi-religiösen Motive werden von Lucas auch noch ihres mythologischen Gehaltes beraubt, indem sie naturwissenschaftlich säkularisiert werden, etwa in Form der Idee, die ´Macht´ auf eine biologische Funktionalität von Mikroorganismen zu reduzieren - der verheerendste Einfall und gewissermaßen der ´Todesstoß´ für jeden auf märchenhafte Elemente aufbauenden Mythos - das wäre ungefähr so, als würde in ´Harry Potter´ erklärt werden, daß die ´Muggles´ nicht zaubern können, weil ihnen ein bestimmtes Gen fehlt....
Andererseits wirkt die gezwungene Parallele zur christlichen Erlösungsgeschichte durch die angebliche ´Jungfrauengeburt´ Anakin Skywalkers derartig peinlich und albern, daß wahrlich jedes noch verbliebene Vertrauen in Lucas einst legendäres Können, seinen naiven Trivialstereotypen durch mythologische Verknüpfungen das märchenhafte Profil zu verleihen, spätestens in dieser Szene vollständig entschwindet.
Konsequenterweise setzt sich die dramaturgische Inkompetenz bei der Ausgestaltung der Charaktere fort: Sämtliche Hauptfiguren dieses Filmes sind an Eindimensionalität und Blässe kaum zu übertreffen; sie bleiben einem so unglaublich gleichgültig, denn jede Identifikation, emotionale Anteilnahme oder Empathie seitens des Zuschauers ist ihnen verwehrt, weil sie nicht einmal einen Hauch der atmosphärischen Intensität und Komplexität ihrer inzwischen schon zu Kultfiguren geronnenen Vorgänger aus der alten Trilogie vermitteln können. Auch wer Luke Skywalker, Prinzessin Leia, Obi-Wan Kenobi (der ´alte´...), Han Solo, Lando Calrissian, Darth Vader, Imperator Palpatine, Yoda, R2D2, C3PO, Moff Tarkin, Jabba the Hutt und Boba Fett nicht kennt (gibts das?), kommt nicht umhin, die hilf- und orientierungslos in bizarren Kostümen durch opulente Kulissen stolpernden, sichtlich unmotivierten Schauspieler zu bemitleiden, die so gar nichts zur glaubhaften Vermittlung ihrer belanglosen, weil jeder mythologischen (und psychologischen) Tiefe entbehrenden, Charaktere beitragen können. Um der Gerechtigkeit willen muß jedoch angemerkt werden, daß zumindest einige der (bekannten) Figuren aus den alten Filmen leise, warmherzige Erinnerungen aufsteigen lassen, inbesondere C3PO, R2D2, Yoda, Jabba und vor allem (Bösewicht) Senator Palpatine (klasse: Ian McDiarmid, der den -späteren- Imperator auch schon vor über 15 Jahren in ´Die Rückkehr der Jedi-Ritter´ spielte), dessen differenziert-sinstres Spiel als Intrigant, der im Hintergrund die Fäden zieht, weitgehend überzeugt. Dagegen verschwendet Lucas bedauerlicherweise das Potential von Palpatines Schüler, Darth Maul (Ray Park, ´X-MEN´), dessen wenige Auftritte das Potential dieser Figur kaum ausnutzen.
Insofern ist es kein Zufall, daß die nicht von Schauspielern verkörperten, sondern am Computer entworfenen Figuren, nachhaltiger in Erinnerung bleiben als die Darsteller, dies gilt in positiver und negativer Hinsicht, vom köstlichen Schrotthändler ´Watto´ bis zur einzigartigen, geradezu alptraumhaften humoristischen Entgleisung namens Jar-Jar Binks, die einen ebenfalls wehmütig an den gelungenen Humor der alten Trilogie zurückdenken läßt, der teilweise geradezu klassische ´Screwball-Comedy´-Dimensionen erreichte, etwa im Schlagabtausch zwischen Leia und Han in ´Das Imperium schlägt zurück´ (´Würde es was nützen, wenn ich aussteige und schiebe?´) - von so etwas kann man in der klamaukig-infantilen ´Episode I´ nur träumen.
 
Der handlungstechnische Aufbau läßt insofern zu wünschen übrig, als die - fehlende - Schwerpunktsetzung ein indifferentes ´Zerfließen´ der Plotelemente zur Folge hat, so daß es eigentlich keine Kumulations- oder Höhepunkte gibt, die den Spannungsbogen tragen könnten - stattdessen hangelt sich dieser Film von einem Effekthighlight zum nächsten, ohne das dies storytechnisch begründet wäre, denn die eigentlich bedeutsamen Plotelemente - Senator Palpatine nutzt die politische Instabilität im ´Galaktischen Senat´ durch den (von ihm selbst als böses „Alter Ego“ Darth Sidious initiierten) Naboo-Konflikt zu seinem Gunsten aus, der junge Anakin Skywalker beginnt seine Ausbildung zum Jedi-Ritter und der Konflikt zwischen Naboo und der Handelsföderation eskaliert - werden derart zerdehnt, daß dieser Film oft arg episoden- und bruchstückhaft bei mangelhafter Konsistenz und Kontinuität des Handlungsfortgangs wirkt.
Auch wird Lucas seinem Vorsatz, in diesem Film zu ´erklären´, wie die aus der alten Trilogie bekannten Ereignisse und Szenarien sich ´entwickelt haben´ (wie aus der friedlichen ´Republik´ das böse ´Galaktische Imperium´ und aus Anakin Skaywalker Darth Vader wurde etc.), nur begrenzt gerecht. Für Zuschauer, die mit der alten Trilogie nicht bis in jedes Detail vertraut sind, ist ggf. nicht nachvollziehbar, daß es sich bei Darth (in der Synchro: Lord) Sidious und Senator Palpatine um ein und dieselbe Person handelt, da der äußerst subtile Hinweis am Ende des Filmes gerade Kindern eher entgehen dürfte. Die Bemühungen der beiden Jedi-Ritter, die hinter der Handelsföderation steckende politische Verschwörung aufzudecken, scheitern letztendlich; deren Rolle bleibt unbefriedigend nebulös und der Konflikt wird erwartungsgemäß ausschließlich auf der ´militärischen´ Ebene, die in die finale Schlacht mit der Roboterarmee mündet, ausgetragen.
Hier unterläuft Lucas ein weiterer, schwerwiegender Fehler: In seinem offensichtlichen Bemühen, diesen Film so ´kindgerecht´ wie nur möglich zu konzipieren, blendet er zugleich auch jene für das ´Mitfiebern´ während der Kampfhandlungen erforderliche Identifikationsleistung seitens des Zuschauers mit den agierenden Parteien aus. Es mag grausam klingen, aber der finale Endkampf entfaltet so viel dramatisches Potential wie eine Puppenprügelei in der Muppet-Show. In keinem Augenblick gelingt es dieser Sequenz, die kognitive Distanz des Zuschauers, der stets ´weiß´, das hier nur computeranimierte Spielzeugfiguren gegen ebensolche Roboter kämpfen, zu durchbrechen - entsprechend gleichgültig bleibt einem dieses Finale. Die zeitgleich stattfindene Raumschlacht und das wahrlich atemberaubende Laserschwertduell gleichen diese Schwäche zwar ein wenig aus, da hier wenigstens ´echte Menschen´ kämpfen und sterben (können), doch die Auflösung des Kampfes auf übelstem B-Film-Niveau macht diese wenigen Verdienste unvermittelt zunichte: Das ´Steuerungsschiff´ der Roboterarmee wird (natürlich von Anakin Skywalker, der - welch Wunder - schon im zarten Kindesalter einen Raumjäger, allerdings eher ´aus Versehen´, fliegen kann) zerstört und die Roboterarmee ist besiegt...eine so einfallslose und armselige Auflösung, die mühelos sogar zahllose B-Film Plotärgernisse niveaumäßig unterbietet, sucht wahrlich ihresgleichen.
 
Häufig ist deutlich spürbar, mit welchem Kalkül für perfekte Kommerzialisierungsstrategien Lucas ans Werk gegangen sein muß. Vor dem geistigen Auge kann man während des Konsums des Filmes die Checkliste diesbezüglicher Notwendigkeiten virtuell abhaken: ´Der Film soll vor allem eine Zielgruppe um die 10-Jährigen ansprechen, also benötigen wir Jake Lloyd als jugendliche Identifikationsfigur und Jar-Jar Binks als infantilen ´Humorträger´, dessen Spielzeugfiguren sich sicher gut verkaufen werden; im Videospiel zum Film sollen die Kids das PodRace-Rennen nachvollziehen, also muß diese Szene das tricktechnische Highlight werden; in dem Film darf keinesfalls Blut fließen, damit optimale Familienkompatibilität gewährleistet bleibt, also ersetzen wir die (ohnehin ´politisch inkorrekten´) Sturmtruppen durch (die durch ihnen ´watschelnden´ Gang eher lächerlich als furchteinflößend wirkenden) ´Kampfdroiden´, so daß der Vorgang des ´Tötens´ von jeder potentiell problematischen Implikation befreit wird usw. usw.´ Um nicht mißverstanden zu werden - diese Erwägungen spielen in dieser oder ähnlicher Form bei der Entstehung jedes Hollywood-Blockbusters eine gewisse Rolle und sind nicht a priori verwerflich, doch nie zuvor durfte man einen Film erleben, in dem sämtliche filmisch relevanten Kategorien sich so spürbar allen kommerziellen Erwägungen unterzuordnen hatten - und einen entsprechend üblen Nachgeschmack hinterläßt der Streifen folglich auch...zumindest wenn man die zielgruppenspezifische Altersklasse auch intellektuell überwunden hat (gewisse Parallelen zu Episode VI ´Die Rückkehr der Jedi-Ritter´ sind zugegebenermaßen unübersehbar - ich sage nur ´Ewoks´...)....
 
Die Erwartungshaltung des Zuschauers bezieht sich angesichts all dieser Mängel nach kürzester Zeit nur noch auf die Schauwerte, Spezialeffekte sowie das kreative und mit unvorstellbarer Liebe zum Detail entworfene Design - den Kategorien, in denen man Lucas (oder besser gesagt seiner Effekt- und Design-Crew) uneingeschränkt Kompetenz zubilligen muß.
Manche der Entwürfe und optischen Raffinessen rauben einem geradezu dem Atem - etwa der Regierungsplanet Coruscant - einige Bilder sind so perfekt geradezu ästhetisch durchkomponiert und von so unglaublicher Eleganz, daß man sich mehr als einmal wünscht, dieser Film könnte inhaltlich und substantiell auch nur annähernd mit seinen diesbezüglichen Stärken mithalten - schade, schade.... Dies gilt auch für die teilweise furiosen, perfekt choreographierten Actionsequenzen - das berühmte PodRace-Rennen und das Laserschwertduell stellen nur die zwei bekanntesten Highlights dar. Die Schauwerte erweisen sich letztendlich auch als die primäre Motivation für wiederholten Konsum dieses Streifes, man muß eingestehen, daß man sich an manchen Sequenzen kaum ´satt-sehen´ kann.
 
Möglicherweise wäre ´Die dunkle Bedrohung´ von Kritik und Fans gnädiger aufgenommen worden, wenn nicht der Name ´Star Wars´ zugleich als Verheißung und Damoklesschwert bei der Verwirklichung dieses Projektes als stets immanenter Vergleichsmaßstab mit den unerreichbaren Vorgängern mitschwingen mußte - aber Lucas selbst hat diesen Film als Teil jenes filmischen Mythos geplant und insofern muß der Streifen sich diese Vergleiche gefallen lassen, auch wenn es ihm zum Nachteil gereicht.
Dennoch besitzt dieser Streifen als naiv-triviales Sci-Fi/Fantasy-Abenteuer im ´Krieg der Sterne´-Universum vor allem für jüngere Zuschauer und Effektfetischisten durchaus einen gewissen Reiz, bei hartnäckigen Fans der alten Trilogie dürfte sich hingegen eher Enttäuschung einstellen - auch wenn die Handlung bei integrierender Betrachtung der Vor- (oder besser gesagt „Nach-„)Geschichte durchaus einen höheren Komplexitätsgrad aufweist, als es zunächst oberflächlich den Anschein hat, doch deren Umsetzung fällt einfach unerträglich infantil und dramaturgisch unbefriedigend aus – dennoch geht vom ´Star Wars-Bonus´ nach wie vor eine unbestreitbare altersklassenübergreifende Faszination aus.
 
Zum Bild
 
Nun, man hat wohl zunächst Besseres erwartet - ein Film aus der Lucasfilm-Schmiede, THX-zertifiziert, kaum 2 Jahre alt, vom ´Star-Wars-Major´ 20th Century FOX: etwas anderes als absolute Perfektion hätte nicht nur dem Ruf der Beteiligten geschadet, sondern von Fans auf aller Welt geradezu als Sakrileg aufgefaßt werden können - so weit wird es zwar nun nicht kommen, da die Bildqualität auch hohen Erwartungshaltungen weitgehend gerecht wird, doch von der bildtechnischen Perfektion bleibt ´Episode I´ aber leider ein ganzes Stück entfernt.
Dabei kommt der Film an sich diesbezüglichen Bemühungen sehr weit entgegen: Episode I ist ein bonbonfarbenes, verspieltes und unglaublich farbenprächtiges Spektakel, dem DVD-technisch problematische optische Bestandteile wie große einfarbige Flächen, in Dunkelheit spielende Szenen oder schnelle Hell/Dunkel-Wechsel weitgehend fehlen. Vor allem der unglaubliche Farbreichtum in den sattesten Farbtönen lassen den Film auf DVD sogar noch beeindruckender wirken als im Kino, wo das Bild in Abhängigkeit von den Lichtverhältnissen ggf. bleich, falsch belichtet o.ä. wirken kann. Die Kontrast des anamorphen 1:2,35-Bildes auf der DVD fällt jedoch leider etwas zu schwach aus und zuweilen wirkt das Bild ein wenig zu hell. Seltsamerweise befinden sich Detailgrad und Bildschärfe auf einem für einen so neuen Film leicht unbefriedigenden Niveau; zuweilen erscheinen Bildbestandteile (insbesondere Gesichter) minimal unscharf, etwas detailarm oder weichgezeichnet. Andere Mängel in Gestalt von angeblichem Kantenflimmern und Doppelkonturen, die in einigen Internet-Reviews Erwähnung fanden, konnten anhand der getesteten Verkaufsversion nicht nachvollzogen werden; möglicherweise sind diese nur mit Projektoren oder anderen Großbildgeräten in erwähnenswertem Umfang sichtbar (getestet wurde auf 82cm 16:9 Panasonic TV-Gerät).
Unverständlich und bei einer so brandneuen Produktion nicht zu rechtfertigen ist aber die permanente Präsenz kleinster Schmutzpartikel während des gesamten Filmes.
Kompression und Rauschverhalten können hingegen als vorbildlich bezeichnet werden; am blauen Himmel oder an Wandverkleidungen ist zuweilen geringfügiges Flächen- oder Farbrauschen feststellbar, das jedoch kaum störend wirkt; die unglaublich rasanten Effektorgien bleiben hingegen frei von jeglichen Nachzieheffekten oder Artefaktbildungen.
 
Zum Ton
 
Im Gegensatz zum Bild übertrifft der Sound sogar höchstgeschraubte Erwartungen - hier kann man wahrlich davon sprechen, daß der Krieg der Sterne mit dieser DVD im Wohnzimmer tobt. Die kraftvolle, weiträumige Nutzung der Stereofront, unterstützt durch ausgeprägte Räumlichkeit und Volumen im Surroundbereich mit zahllosen Umgebungsgeräuschen und Effekten bersten in solch unglaublicher Wucht sowie heftiger, aber nicht übertriebener Subwooferunterstützung förmlich über den geneigten Hörer herein, daß ein Akustikpanorama geschaffen wird, das seinesgleichen sucht - einfach gigantisch. Von der ersten bis zur letzten Sekunde werden alle Lautsprecher bis an die Grenzen der Belastbarkeit permanent beschäftigt, feinste Differenzierung im Hoch- und Tieftonbereich, üppige Nutzung des gesamten Frequenzspektrums und die unglaublich präzise Ortbarkeit aller Effekte sorgen für nachhaltige Begeisterung. Kein Effekt wirkt übersteuert oder zu aufdringlich, alle Einzelelemente sind perfekt aufeinander abgestimmt und großartig abgemischt. Im Zusamenwirken mit der orchestralen, raumfüllenden Musik von John Williams, die jedoch nicht ganz die legendäre melodische Qualität der alten Trilogie erreicht, schafft zumindest der Sound perfekte Star Wars-Atmosphäre. Egal, ob die kreischenden Kreaturen im Sumpf von Naboo, quer durch den Raum zischende Lasersalven, Raumjäger, die durchs Wohnzimmer zu donnern scheinen, berstende Explosionen, surrende Lichtschwerter oder das neue Soundeffekt-Maßstäbe setzende PodRace-Rennen - hier bleiben keine Wünsche offen. Die englische DD 5.1 EX Version kann als gleichwertig bezeichnet werden; die Sprachverständlichkeit bleibt in beiden Fassungen gewährleistet und das Vorurteil, dieser Film hätte durch eine besonders verunglückte Synchronisation gelitten, darf anhand der Originaldialoge getrost widerlegt werden: Diese fallen im großen und ganzen (insbesondere wenn es um Jar-Jar Binks geht) genauso schwachsinnig aus wie in der deutschen Fassung.
 
Zu den Features
 
Episode I profitiert von der Tatsache, daß Lukas von vorneherein die Entstehungsgeschichte seines Werkes in vielerlei Weise aufzeichnen ließ und dieses Material in komprimierter Form auf der Bonus-DVD in sehr ansprechender Präsentation dem Fan zur Verfügung gestellt wurde. Die erste DVD enthält nicht nur den Film, sondern auch einen Audiokommentar, gesprochen von Lucas selbst, Rick McCallum (Produzent), Ben Burtt (Sound, Schnitt), Rob Cloeman sowie den ILM Effektexperten John Knoll, Dennis Muren und Scott Squires. Naturgemäß liegt der Schwerpunkt der detaillierten Erläuterungen auf der technischen Seite, was angesichts der unglaublichen Vielzahl von Effekten wohl niemanden verwundern wird. Eher selten nimmt Lucas Bezug auf die Handlung und die Charaktere, ein Versäumnis und eine sich hier wiederspiegelnde -falsche- Schwerpunktsetzung, die sich letztendlich auch in den Mängeln des Filmes niederschlägt.
Beide DVDs begrüßen den Konsumenten mit einem wunderschön designten, musikunterlegten und animierten Menü, wobei auf Disk 1 sogar per Zufallsgenerator eines von drei Menümotiven auswählt wird, so daß auch nach mehrfachem Einlegen keine Langeweile aufkommt - eine ausgezeichnete Idee. Leider verhindern die Benutzereinschränkungen auf unzeitgemäße Weise ein Wechseln von Tonspuren und Untertiteln ohne Rückgriff auf das Menü während des Filmes; als Ärgernis entpuppt sich auch die Voreinstellung, den Film stets mit eingeschalteten deutschen Untertiteln starten zu lassen. Die zweite DVD bietet ein gleichfalls durchgestyltes Menü, das die Navigation in verschiedene Themenkomplexe ermöglicht, wobei der Hauptaugenmerk zunächst auf der über einstündigen Dokumentation liegen sollte, die kaum einen Aspekt des gewaltigen Produktionsaufwandes unberücksichtigt läßt. Dabei bewahrt dieses Feature vor allem durch seine chronologisch stringente Gliederung, die mit den ersten Entwürfen und Ideen startet, über Casting, Dreharbeiten und Effekte bis zur Post-Production folgt und am Premierenabend endet, seinen authentischen, sachlichen und ´ehrlichen´ Charakter auch dadurch, daß ´unerfreuliche´ Ereignisse und Rückschläge, etwa die Zerstörung von Requisiten durch ein Unwetter in Tunesien, Erwähnung finden und jegliche Starallüren und Marketinggags außen vor bleiben. Kaum weniger interessant fallen die fünf kürzeren Featuretten aus, die sich jeweils spezifischen Details widmen, nämlich Effekten, Handlung, Kostümen, Design und Kampfszenen, wobei deren Verdienst vor allem darin besteht, die intensive, detailversessene und aufwendige Arbeit und das Engagement aller Beteiligten zu würdigen, ohne die der unglaubliche Reichtum an Schauwerten dieses Filmes nicht möglich gewesen wäre.
Die geschnittenen Szenen - wahlweise mit Erläuterungen - wurden z.T. extra für diese DVD aus der Rohfassung in einen Quasi-Endzustand transformiert, wobei vor allem die U-Boot-Szene noch einmal einen hervorragenden Einblick in den Aufwand der tricktechnischen Nachbearbeitung ermöglicht. Die Erläuterungen stechen durch die Einbeziehung anderer bekannter Regisseure und Cutter hervor, die auch allgemeine, nicht speziell auf Star Wars bezogene, Kommentare zur Problematik des Filmschnittes an sich beisteuern. Den unvermeidlichen Trailer, Teasern und Werbespots (mit Musik-Video) darf allesamt eine absolut herausragende Bild- und Tonqualität bescheinigt werden. Technisch interessierte Star Wars Fans werden sich auch über die Animatics freuen, die sehr ausführliche Web-Dokumentation, die die Produktionsfortschritte während der Entstehungsphase dokumentiert, war seinerzeit im Internet äußerst gefragt, wirkt aber heute, wo das ´Ergebnis´ bekannt ist und vorliegt, gelegentlich etwas langatmig und repetitiv.
Insgesamt besticht die Auswahl des Bonusmaterials vor allem durch den wohltuend nüchternen, zurückhaltenden Stil des Materials ohne Eigenlob und falsche Hollywood-Glorie. Lediglich bei der überflüssigen Beigabe über das Star Wars Spiel ´Starfighter´ tritt der Marketingcharakter deutlicher in den Vordergrund. Für alle Bonuselemente lassen sich optionale deutsche Untertitel zuschalten.
Als wohl nachhaltigster Eindruck, den man aus dem gesamten Bonusmaterial gewinnen kann, entpuppt sich das nun tiefergehende Gesamtverständnis, warum aus ´Episode I´ letztendlich der Film wurde, den wir nun auf DVD erleben dürfen - wer sieht, wie Lucas sich in jeder wirklich noch so unbedeutende Effekt-Detailfrage engagiert und alle Produktionsschritte selbst überwacht hat, ist nicht übermäßig erstaunt, warum die Aspekte, für die er in seiner Funktion als Regisseur (und Drehbuchautor) primär verantwortlich gewesen wäre, eher ´unter die Räder´ geraten sind - schlüssige Dramaturgie, Anleiten der Schauspieler, sorgfältige Charaktergestaltung und Verdichtung dieser Elemente zu einer kohärenten storytechnischen Einheit.
 
Fazit
 
´The Phantom Menace´ führt geradezu exemplarisch einen Grundsatz des Sci-Fi-Genres vor, demzufolge brilliante Spezialeffekte alleine noch lange keinen guten Sci-Fi/Fantasy-Film ergeben. Hier mangelt es nicht nur an Spannung, überzeugender Dramaturgie und prägnanten Charakteren, sondern vor allem an jener archetypisch-märchenhaften und mythengeschwängerten ´Magie´, die die erste Trilogie zu so einem einzigartigen Filmerlebnis werden ließ. Zudem ist dieser Film eindeutig zu stark auf sehr junge Zuschauer als primäre Zielgruppe hin konzipiert, um in seiner Infantilität nun ´erwachsene´ Fans der ´alten´ Trilogie in gleichem Umfang begeistern zu können. Lucas schwacher Leistung als Regisseur und Drehbuchautor kann man eigentlich nur eine positive Seite abgewinnen: daß es im ´nächsten´ Teil nur besser werden kann - es wäre zu wünschen, daß Lucas sich selbst dieser Einsicht beugt und er - wie in den Fortsetzungen zu ´Star Wars´ - den Regiestuhl fähigeren Kollegen überläßt.
Die technische Seite hingegen läßt jeden DVD-Fan Freundentränen vergießen, denn die Nutzung der Möglichkeiten der Mediums DVD mit atemberaubender Soundqualität, ordentlichem Bild, durchgestyltem Menüdesign und üppigster Ausstattung erreichte (mit Ausnahme des Bildes) selten zuvor einen solchen Perfektionsgrad wie mit dieser Veröffentlichung.
 
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