
Amistad (Amistad, 1997)

Drama,
 148min, , , Widescreen, (anamorph), PAL, EAN: 678149098129 |
Wertung und Kurzfazit
| | (4/5) - (5/5) - (5/5) - (3/5) - (4/5) |
|
| Review von ()
 Gesamtansicht | Zum Film 1839 befindet sich ein Schiff, die ´La Amistad´, irgendwo zwischen Kuba und den USA (damals noch aus 13 Bundesstaaten bestehend) auf hoher See. An Bord eine kostbare Fracht: afrikanische Sklaven! Der Sklave ´Cinque´ (Djimon Hounsou; der nubische Gladiator an der Seite Maximus` im letztjährigen Kassenschlager ´Gladiator´) kann sich befreien und führt seine Männer in den Kampf gegen die spanischen Seeleute, die alle getötet werden - bis auf den Kapitän und einen Matrosen, die die Amistad wieder in das afrikanische Sierra Leone zurück steuern sollen. Doch mangels Erfahrung in der Navigation bemerken die Afrikaner nicht, dass man sie nicht nach Hause, sondern weiter in Richtung Amerika führt. Und so wird die Amistad sechs Wochen später von einem US-Wachschiff vor der Küste Neuenglands aufgegriffen. Die ´Amistad-Afrikaner´ werden wegen Piraterie und Mord vor ein Gericht gestellt. Der zunächst einfach geglaubte Fall - schliesslich sind Sklaven nur eine ´Handelsware´ wie Obst oder Schlachtvieh auch - entpuppt sich zu einem wahren Politikum: Königin Isabella II. (Anna Paquin), die 11-jährige Regentin Spaniens, lässt ihren Einfluss auf die Regierung des amtierenden US-Präsidenten Martin Van Buren (Nigel Hawthorne) spielen, denn sie will ´ihr Eigentum´ zurück haben. Die beiden Offiziere der US-Küstenwache, die die Amistad entdeckt und aufgegriffen haben, beanspruchen ´Finderlohn´. Natürlich wollen auch die beiden spanischen Seeleute, die Schiff und Mannschaft bei dem Aufstand verloren haben, auch eine gewisse Entschädigiung zugesprochen bekommen - und die Sklaven sind nunmal ´ihr Eigentum´. Und dann gibt es da noch den Anwalt Roger Baldwin (Matthew McConaughey), Spezialgebiet ´Eigentumsdelikte´, und die Abolitionisten (Sklaverei-Gegner) Theodore Joadson (Morgan Freeman), selbst ein ehemaliger Sklave, und Lewis Tappan (Stellan Skarsgàrd), die die ´Amistad-Afrikaner´ frei bekommen wollen. Die erste Frage, die aufgeworfen wird, ist die nach der Herkunft: Sind nämlich die Amistad-Afrikaner in Freiheit geboren und aus Afrika verschleppt worden, sind sie nicht als ´Eigentum´ (Handelsware) zu betrachten - und weder Spanien noch die Schiffs-Offiziere hätten einen berechtigten Anspruch. Stammen sie jedoch aus einer spanischen Kolonie oder wurden bereits als Sklaven geboren, sieht die ´Sache´ völlig anders aus. Trotz widriger Umstände - der Richter samt Geschworenen wurden ausgewechselt (auf Anweisung Van Burens hin!), und die Verständigung mit Cinque und seinen Leuten gestaltet sich - trotz ´Dolmetscher´ - als sehr schwierig - schaffen es die Abolitionisten, den Prozess zu gewinnen! Doch die Freude über die wiedergewonnene Freiheit bei den Afrikanern, und über den Sieg bei Baldwin, Tappan und Joadson, währt nicht lange: Auf Drängen Isballas von Spaniens hin gehen die USA/Präsident Van Buren in Berufung. Überhaupt stellt sich die Lage für Van Buren, der als Präsident eigentlich wiedergewählt werden möchte, als äußerst vertrackt dar - drohen doch die Südstaaten-Gouverneure mit einem Bürgerkrieg, falls die Sklaven wieder freigesprochen werden sollten. (PS: und wie wir aus dem Geschichtsunterricht wissen, kam es dann auch genau so zum Bürgerkrieg Nordstaaten gegen Südstaaten!) Baldwin bereitet sich mit Cinque auf einen neuen Gerichtsprozess vor - und ihnen zur Seite steht nun der Ex-Präsident der USA, John Quincy Adams (Sir Anthony Hopkins)... (Mit-) Produzent und Regisseur Steven Spielberg (DreamWorks Pictures) inszenierte 1997 ´Amistad´, an dem ihm, wie auch Produzentin Debbie Allen, sehr viel gelegen war. Nach ´Schindlers Liste´, in dem er den Holocaust und die Judenvernichtung im Dritten Reich auf sehr bewegende, einfühlsame Weise thematisierte, packte Spielberg nun also die afro-amerikanische ´Sklavenproblematik´ an - und brachte mit ´Amistad´ ein sehr geschichtsträchtiges und - speziell natürlich für die USA aufgrund des nachfolgenden großen Bürgerkriegs - bedeutsames Thema auf die große (Kino-) Leinwand. Das Drehbuch von David Franzoni richtete sich dabei überwiegend an den historischen Tatsachen aus... von einigen - mehr oder weniger bedeutsamen - Abweichungen einmal abgesehen (beispielsweise dem Treffen zwischen Adams und ´Cinque´, das in Wahrheit niemals stattgefunden hat). Bedeutsam wurden die Abweichungen insbesondere im Zusammenhang mit einer Anklage der Schriftstellerin Barbara Chase-Riboud, dass Franzoni sein Skript von ihrem Roman abgeschrieben hat (und tatsächlich kommt die zuvor genannte Szene - eine von insgesamt 88 Abweichungen (!) - im Roman auch entgegen historischer Tatsachen genauso vor). Das Gericht in Los Angeles wies jedoch die Klage auf Plagiat seitens Spielberg (zumindest in erster Instanz) ab. Gab es vielleicht eine ´außergerichtliche Einigung´ (Streitwert damals 17,6 Millionen Dollar)? Interessanterweise arbeitete Franzoni vor DreamWorks/Spielberg bei Dustin Hoffmans Firma Punch Productions, die die (eigentlichen) Rechte an Mrs. Chase-Ribouds Roman (und eigentlicher Filmvorlage?) ´Echo of Lions´ hatten. Also ehrlich: Zufälle gibt es, die gibt`s doch gar nicht... Ob der Roman ´Echo of Lions´ nun die Vorlage war, oder nicht - und ob das Ganze nun (aufgrund der fiktiven Ergänzungen zu den historischen Tatsachen) knapp 18 Millionen Dollar wert war - das alles sei einmal unkommentiert dahingestellt. Fest steht jedenfalls, dass der Plot von ´Amistad´, der im Kern ja eigentlich ein Gerichtsdrama darstellt, nicht jeden wirklich begeistern konnte. Ja man könnte fast sagen, dass die Story eher mittelmäßig statt ´sensationell´ daher kommt. Sensationell zu nennen sind dafür jedoch die hervorragenden, weltbekannten Schauspieler und ihre exzellenten Leistungen. Ohne jetzt den einen oder anderen Namen gesondert herauszustellen: Allesamt haben sie Charakterdarstellungen abgeliefert - niemand bietet wirklich ein schwächelndes Schauspiel. Auch die schöne Musik von Starkomponist John Williams, die bildgewaltige Umsetzung Janusz` Kaminskis sowie die herrlichen Kostüme müssen erwähnt werden. Schliesslich gab es auch vier Oscarnominierungen: ´Bester Nebendarsteller´ (A. Hopkins), ´Beste Musik´ (Williams), ´Beste Kostümgestaltung´ und ´Beste Kamera´! (PS: Von ´Bestes Drehbuch´ und ´Beste Regie´ war interessanterweise auch keine Rede...) Die Geschichte von der ´Amistad´ hätte schon lange vorher verfilmt werden sollen - und zwar von Spike Lee, der auch dementsprechend nicht gut auf Spielberg zu sprechen war (´Wer einmal die Macht in Hollywood hat, kann sich scheinbar alles erlauben...´), weil der ihm dieses ´Schwarzen-Thema´ vor der Nase weggenommen hat. Natürlich bietet auch Spielberg`s ´Amistad´ zum Schluss hin den typischen US-amerikanischen Patriotismus, wenn Ex-Präsident Adams alias Anthony Hopkins eine flammende Rede auf die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten und die ´Ahnenreihe´ der US-Präsidenten vor ihm hält - und über die Unzulänglichkeiten in der Story habe ich bereits gesprochen. Dennoch weiß der Film gut und spannend zu unterhalten, kann zum Nachdenken anregen und die Herzen so mancher Zuschauer tief bewegen - dieser Film hat sehr viel Atmosphäre und Feingefühl. Auch muss man Spielberg Respekt zollen, dass er bei diesem 75 Millionen Dollar-Projekt, das erwartetermaßen nicht den Massenmarkt ansprach, und dem somit kein riesiger Kassenerfolg beschieden war, einige Risiken auf sich nahm und wahrlich Mut bewies: So liess Spielberg die Amistad-Afrikaner im Film in Mende, der Heimatsprache der Mende-Afrikaner aus Sierra Leone, sprechen, was sehr realistisch wirkt - insbesondere, da dies nicht übersetzt oder untertitelt wurde, wodurch das Kommunikationsproblem überdeutlich wird. Ein Historiker, der die Mende ´studiert´ hatte, war als Berater für diesen Film tätig - und er achtete auf jedes kleine Detail, wie die Bestattungszeremonie von Toten oder andere Sitten und Gebräuche der Mende-Afrikaner. Alles sollte möglichst authentisch und real wirken - und dies wurde auch bestens erreicht. Insofern ist Spielberg mit ´Amistad´ also kein echtes Meisterwerk gelungen - dennoch ist es ein guter, emotional tief bewegender Film. Da das ´Umfeld´ - Kamera, Kostüme, Bauten, Musik und vor Allem die Schauspieler - großes Kino nicht nur versprechen, sondern auch tatsächlich halten, darf man - trotz kleinerer Kritikpunkte - noch eine Topnote vergeben: Gut bis Sehr gut.
Zum Bild Das Bild (2.35:1 anamorph) ist nahezu perfekt gelungen: Die Farben sind kräftig und klar, keine Spur von Blässe ist zu bemängeln, wie auch die Farbgebung sehr natürlich wirkt. Die Schärfe ist gut bis sehr gut - wobei in Nahaufnahmen wirklich jedes Detail, jede noch so feine Hautpore erkennbar wird, während ansonsten die Detailschärfe leicht zurückgehen kann (aber immer gut bleibt). Der Kontrast ist umfangreich und der Schwarzwert prima ausgefallen, was zusammen mit der Schärfe für ein klasse Bild sorgt. Rauschen ist fast keines feststellbar, wie auch Flimmern praktisch nicht der Rede wert ist. Die Vorlage war sehr sauber: Schmutzflecken und analoge Fehler vom Master wurden nur sehr wenige mit auf die DVD übernommen - es wurde scheinbar sauber nachbearbeitet. Digitale Artefakte sind ebenfalls keine aufgefallen, eine nahezu perfekte MPEG2-Komprimierung, die auch im kritischen Bereich des Nachziehens (bei schnellen Bewegungen in dunklen Szenen) nur winzige Fahnen produziert - und die kann man wirklich nicht störend erkennen. Der Bildqualität kann man durchaus noch die Höchstnote vergeben - darum ein ´Sehr gut´ für diesen Bereich.
Zum Ton Der Ton ist absolut klasse in seiner Klangqualität - unabhängig übrigens, welche Sprachfassung man auswählt. (Und auch während des Films ist ein Wechsel der Tracks bei dieser DreamWorks-Code2-DVD möglich). Englischer oder deutscher Ton - das macht bei ´Amistad´ also qualitativ keinen Unterschied. Die Sprachverständlichkeit ist ausgezeichnet, die Dialoge sind sauber auf den Center kodiert worden. Die schöne atmospärische Musik John Williams` kann mit sattem Ton, klaren Höhen, tiefem Bass sowie einer sehr weiten Räumlichkeit ebenfalls vollstens überzeugen. Der Dynamikumfang ist gewaltig und der Subwoofer liefert einen sehr tiefen und konturierten Bass. Auch die hinteren Boxen werden prima eingesetzt: Effekte - auch direktionaler Art - sind reichlich vorhanden, obwohl ´Amistad´ als Gerichtsdrama eher dialogorientiert daherkommt. Umgebungsgeräusche und Ambienzen lassen beklemmende - oder eben befreiende (je nachdem) - Stimmung aufkommen. Dazu ertönt auch der Musicscore auch aus den Rearspeakern. Das sorgt natürlich für einen großen Raumeindruck. Die Tonqualität ist definitv spitze - oder sehr gut in der Note.
Zu den Features Das Menü wurde leider nicht animiert, bietet ein mit Ton/Musik unterlegtes Standbild. Jeweils vier Standbilder sind es auch, die die Kapitelwahl ermöglichen. Der Layerwechsel ist problemlos gelegt worden. Untertitel sind unter anderem auch in Deutsch (normal) und Englisch (für Hörgeschädigte) vorhanden - ein Wechsel während des Films ist jedoch nicht möglich (anders als bei den Tonspuren). Der Ländercode dieser DVD ist nicht nur 2, sondern auch 4 (Australien) - was für gleiche Fassungen spricht. An Extras bietet man dem Filmfreund neben dem Kinotrailer ´Amistad´ noch ein 25-minütiges ´Making of´ mit Hintergrundinformationen und Interviews. Auch das Booklet bietet vier Seiten Produktionsnotizen (zwei Seiten effektiv). Insgesamt ist das eine zufriedenstellende - befriedigende - Ausstattung.
Fazit ´Amistad´ ist ein guter Film, der sehr einfühlsam und eingängig die Geschichte der Amistad-Afrikaner erzählt, sowie ihre Bedeutung für die amerikanische Geschichte - denn sie waren Auslöser des großen Bürgerkriegs zwischen den Nord- und den Südstaaten. Toll auch die Schauspieler sowie die gesamte Inszenierung - abgesehen von kleineren Schwächen im eigentlichen Filmplot. Die Code2-DVD überzeugt mit herrlichem Ton und beinahe perfektem Bild. Auch an die Ausstattung hat man ein wenig gedacht, wenn auch deutsche UTs für HG und das eine oder andere Extrafeature noch wünschenswert gewesen wären. Insgesamt eine gute DVD, die jede Sammlung zieren kann.
| Lese auch die restlichen Informationen
 Gesamtansicht
|
Möchtest Du diesen Artikel kommentieren? Dann benutze den unteren Link, um auf Basis dieses Artikels eine Diskussion in unserem Forum zu starten und mit interessierten DVD Fans ins Gespräch zu kommen! | |
|