Gods and Monsters
(Gods and Monsters, 1998)
 

 
Kinowelt Home Entertainment
Drama,

101min, FSK 12, DVD-9, Widescreen, 2.35:1 (anamorph), PAL, EAN: 4006680018140

Wertung und Kurzfazit
 
Film (5/5) - Bild (4/5) - Ton (3/5) - Features (3/5) - Fazit (4/5)


 
Review von Martin Grochholski ()

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Zum Film
 
James Whale ist reich, alt und krank. Und er ist einer der Regisseure, die in Hollywood ganze Äras eingeleitet haben. Als Urvater des „Frankenstein“ drehte Whale unter anderem Filme wie „Frankenstein“ und „Frankensteins Braut“. Aber der Glanz alter Tage ist längst verzogen; Whales Leben wird vielmehr durch das Altwerden geprägt. Ein Schlaganfall zeigt ihm dann auch deutlich, das sein Lebensweg sich dem Ende zuneigt. Und auch andere Beschwerlichkeiten seines Seins verbittern den alten Mann zusehends. Ein Schwächeanfall jagt den anderen, seine Sinne spielen im so manchen Streich und insbesondere Impressionen aus seiner in wichtigen Einzelheiten längst vergessen geglaubten Vergangenheit bahnen sich in Form von Tagträumen wieder ihren Weg an die Oberfläche seines Bewusstseins.
„Der Mann, der die Monster schuf“ möchte nicht mehr leben – und schließt Freundschaft mit Clayton Boone, seinem Gärtner.
Nach und nach kommt man sich zwar näher, je mehr Whale allerdings über sich und seine Persönlichkeit preis gibt, umso schwieriger wird die Beziehung zwischen den Männern aber auch. So ahnt Clayton zwar, das Whale offenbar ein Homosexueller ist, mag dies aber nicht so recht glauben. In den Sticheleien seiner Bekannten, die er über seine Bekanntschaft zu einem seiner neuen Idole in Kenntnis setzt, zieht er regelmäßig den Kürzeren.
Und die regelmässigen Anfälle Whales, in denen dieser sich desöfteren vergisst und in einer Mischung aus Selbstaufgabe, Hass, Wut und Verzweiflung auch gegenüber Boone „monströs“ verhält, macht es dem Ex-Marine auch nicht gerade leicht.
Über den Wunsch Whales, eine Portait-Zeichnung Boones anzufertigen, schlagen die Männer allerdings eine Brücke und legen damit den Grundstein für eine Freundschaft, wie sie exotischer nicht sein kann.
Der verbitterte alte homosexuelle Star und der stark homophobe, naive aber ausgesprochen sensible Boone... und am Ende dann ein furchtbarer Höhepunkt in den Ereignissen, die das Leben der beiden Männer gehörig beeinflussen sollen...
 
Bis „Gods and Monsters“ in die Kinos kam, war es ein weiter Weg. Zunächst schien sich niemand so recht zu interessieren für die Drehbuch-Adaption des erfolgreichen, gleichnamigen Romans. Erst als es dem Regisseur und Drehbuch-Autor Bill Condon gelang, niemand Geringeres als Clive Barker höchstpersönlich für die ausführende Produktion zu gewinnen, konnte der „Bann“ gebrochen werden und es entstand ein Film, der unter Kritikern als höchstwertige Independent-Produktion gehandelt wird. Neben einem Oscar eben für Bill Condon gab es noch zahlreiche Nominierungen für die Darsteller und andere Preise, wie etwa den Golden Globe für Lynn Redgrave, die in „Gods and Monsters“ die Rolle der knöchern, aber liebevoll wirkenden Haushälterin Hannas übernahm.
 
„Gods and Monsters“ ist ein überaus gefühlvoll angelegter Film, der die letzten Tage des im Jahre 1957 unter mysteriösen Umständen zu Tode gekommenen James Whale beschreibt. Nahezu alles an der Geschichte ist frei erfunden – bis auf die wesentlichen Schlüsselmerkmale rund um den Charakter Whales. Es ist faszinierend anzuschauen, wie enorm ausdrucksstark sowohl die Darsteller agieren und mit wie viel Mühe Ausstattungsdetails, Lokationen und Personen rekonstruiert wurden. Dies beginnt bereits in der nahezu vollständigen Nachbildung des originalen Ateliers Whales und geht über bis hin zu einer perfekten „Karloff“-Imitation in Form des Schauspielers Jack Betts.
Neben den nüchternen, aber in der Tat packenden Realszenen üben auch die zahlreichen und extrem metaphorischen Tagträume Whales einen enormen Reiz aus. Hier erleben wir neben albtraumhaften Visionen aus der Vergangenheit auch Erinnerungen an längst vergangene Drehtage, als beispielsweise „Frankensteins Braut“ entstand (und selbst hier bildete man die damaligen Verhältnisse mit ausgesprochenem Detailbewusstsein nach).
Eigentlich wird „Gods and Monsters“ aber nahezu ausschließlich durch das Schauspiel der beiden Hauptdarsteller ausgemacht: der bereits mehrfach ausgezeichnete Brite Ian McKellen, der mittlerweile für seine Verdienste in den Ritterorden aufgenommen wurde, verkörpert den homosexuellen James Whale so unendlich facettenreich, das man in der Tat vergessen mag, es mit einem Film zu tun zu haben. Und auch Brendan Fraser, der zuvor gerademal in dem erst nachträglich recht erfolgreich gewordenen „George aus dem Dschungel“ zu sehen war, erwies sich als wahrer Glücksgriff. Fraser, der ganz bewusst und sehr dringend nach einer Rolle suchte, die mit dem „George“ nun so rein gar nichts mehr zu tun haben sollte, spielt den nachdenklichen und einfach strukturierten Clayton Boone so überaus begeisterungswürdig, das man die albernen Lianenspiele schnell vergessen mag.
Als ausgesprochen dialoglastigem Film gelingt es „Gods and Monsters“ mühelos und aus dem Stand, seine Zuschauer zu fesseln und zu begeistern. Von Langeweile fehlt jede Spur, wenn die beiden völlig unterschiedlichen Menschen sich entweder im Geiste nahe kommen oder auf körperlicher Ebene voneinander Abstand nehmen. Zwar benötigt „Gods and Monsters“ eine gewisse Anlaufzeit, um notwendige und wesentliche Handlungsgrundlagen aufzubauen, nach und nach ziehen sich die dramatischen Spiralen aber immer enger.
Und wenn Clayton Boone dem alten Whale dann zum allerersten Mal Dinge aus seinem Innersten erzählt, ist der Bann gebrochen – und wir wissen, das spätestens jetzt eine Beziehung aufgebaut wurde, wie sie tiefgründiger und gleichzeitig paradoxer gar nicht mehr sein kann.
 
Am Ende dann, wenn der unvermeidliche Höhepunkt vollzogen wurde, entlässt „Gods and Monsters“ seinen Zuschauer mit einem Kopf voller Ideen, Gedanken und eigener Bilder. War nun Whale selbst das Monster? Der Kraft seiner Homosexualität unverstandene Frankenstein? Oder doch eher Boone die Projektion einer Whaleschen Wunschvorstellung, die sein Leben ausmachte, ob vergangener Dekadenz ausschweifender Tage aber nie je im Ansatz real werden konnte...?
Wenn Clayton Boone am Ende des Filmes (und einem gewissen Zeitsprung) seinem jungen Sohn die von Whale überlassene Original-Entwurfsskizze des „Frankenstein“ zeigt, auf dessen Rückseite schlicht „Freund?“ steht, dann wissen wir mehr und erahnen, von welch enormer Intensität die vielen Lebenserfahrungen des Regisseurs James Whale gewesen sein müssen, um ihn zu dem zu machen, was seinen wenigen Freunden und vielen Bekannten in Erinnerung geblieben sein dürfte...
 
Zum Bild
 
„Gods and Monsters“ besticht insbesondere durch seine zahlreichen, höchst gelungenen Bildkompositionen. Kein Ausstattungs-Objekt zuviel, kein optischer Hinweis zu wenig – perfektes Kino in allerfeinster Erzählmanier. Die Wechselbäder zwischen einem sonnigen und materiell sorglosen Leben, aber auch boshaften, schmerzerfüllten oder schlicht verängstigenden Erinnerungen und Visionen machen den ganz besonderen Reiz des Filmes aus.
Und die DVD müht sich redlich, dem auch gerecht zu werden. Neben einer Handvoll kleinerer Auffälligkeiten sind es hier insbesondere eine hohe Zahl an Vorzügen, die es ermöglichen, vollständig in den Film einzutauchen. Dennoch: einige der festgestellten Mängel bleiben offen und es wäre sehr viel schöner gewesen, nicht darüber berichten zu müssen!
So brilliert die DVD beispielsweise in 9´00´´ mit einer gestochen scharfen, überaus farbenprächtigen und kontrastreichen Szene, in der Whale und ein höchst unangenehmer Reporter sich auf eine verbale Konfrontation einlassen. Die üppigen Blumenbeete wirken hier so prächtig, das man ihren Duft beinahe schon riechen kann. Zugleich wirkt das Bild aber minimal überlagert durch einen ganz feinen und sehr regelmässigen Pixelschleier, der den Film über die gesamte Spieldauer hinweg begleiten soll. Dabei ist die flächendeckende Musterung jedoch so gleichverteilt ausgefallen, das von einer wirklichen Störung nicht gesprochen werden kann – es fällt dennoch im Vergleich zu anderen, „aalglatten“ DVDs auf.
Sehr viel unangenehmer dann ein anderes Detail, welches man zwar zunächst bewusst oder per Zufall entdecken muss, dann jedoch so leicht nicht mehr los wird: an verschiedenen Stellen im Film zittert das Bild minimal nach links und rechts. Hat man es erst einmal ausgemacht, wird man´s leider so schnell in der Tat nicht mehr los. Ganz besonders gravierend hier beispielsweise eine Szene in 56´10´´, in der Boone in einer Telefonzelle sieht. Über seiner rechten Schulter können wir einen tragenden Pfeiler der Zelle ausmachen – und der zittert fein, aber vernehmlich hin und her.
Und auch ein weiterer Bild-Aspekt bereitet der DVD hin und wieder Probleme: fällt das allgemeine Rauschverhalten insgesamt zwar doch sehr gut aus, können wir spätestens in 75´09´´ deutliche Quantisierungs-Effekte ausmachen; hier reduzieren sich Farbverläufe an der Decke oder Wänden, die kraft der Beleuchtung eigentlich sanft und diffus ausfallen müssten, auf lediglich eine Handvoll deutlich voneinander unterscheidbarer Farben, so dass wir gezielt pixelige Flächenstrukturen ausmachen können. Wirklich unangenehm fällt dies jedoch glücklicherweise nicht aus – unüblich bleibt´s jedoch allemal.
Auf der „Haben-Seite“ verbucht die DVD dann aber eine ausgezeichnete Schärfe und einen nahezu perfekten Kontrast. „Übersprechen“ in irgendeine Richtung gibt´s hier zu keiner Zeit. Die in zwei, drei Kameraeinstellungen auffallenden Helligkeitsunterschiede wirken so beispielsweise nicht digital-, sondern tatsächlich beleuchtungsmotiviert.
 
Zum Ton
 
„Gods and Monsters“ kommt wahlweise mit deutschem DD4.0 Dolby Surround-Ton oder englischem DD2.0 Stereo-Ton daher. Und um es gleich vorweg zu nehmen: wirklich gravierend unterscheiden sich die Tonspuren nicht.
Während der gesamte Film im Englischen deutlich mehr auf die Dialoge fokussiert (wie es sich für einen dialoglastigen Erzählfilm nun mal auch gehört), darf sich insbesondere die sanfte, aber feine Filmmusik im Deutschen merklich breiter ausdehnen. Und während es im Englischen „hintenrum“ prinzipbedingt nun mal nichts zu Hören gibt, darf man sich im Deutschen durchaus auf die eine oder andere, kleine und monotone (im akustischen Sinne) Einlage freuen. Ein Gewitter grummelt dann mal, ein Regenguss rauscht und der Hauch eines Halles in pompösen Empfangshallen ist vernehmbar. Dennoch: trotz testweise extrem hochgedrehter Rears mochte ein wirklicher Surroundeindruck nicht unbedingt aufkommen – eine anteilig nach hinten verlegte Filmmusik allein genügt dafür nicht.
Aber wollen wir uns mal nicht beschweren: wo auch immer die zusätzlichen Klanganteile herkommen mögen, einen Vorwurf kann man den Kinowelt-Technikern definitiv nicht machen. Was hier erklingt, erklingt zwar spärlich, aber nie unnatürlich hochgemixt und da der Film im Originalton nun mal in Stereo vorliegt, scheint auch gar nicht mehr an wirklich nutzbarer Klangmasse vorhanden gewesen zu sein. Übrigens: die „International Movie Database“ gibt an, das „Gods in Monsters“ schlicht in „Dolby“ gedreht wurde; das lässt zwar offen, ob damit nun in der Tat Dolby Stereo oder nicht vielleicht doch Dolby Surround gemeint ist, alle Anzeichen deuten aber letztlich auf eine „nur“ stereophone 2-Kanal-Aufzeichnung hin.
Im Gegensatz zur englischen Tonspur wirkt die deutsche insgesamt aber aus einem ganz anderen Grund viel angenehmer: die Dialoge scheinen im O-Ton „direkt ab Körper“ abgenommen worden zu sein; jedenfalls klingt das Ganze doch desöfteren recht überladen durch raschelnde Kleidungsstücke oder unmerkliches Rauschen im Hintergrund. Die deutsche Tonspur dagegen bietet sehr viel natürlichere und vor allem nicht so extrem „nah“ wirkende Dialoge – und die Synchronsprecher haben sich auch kräftig in´s Zeug gelegt, wenn auch Ian McKellen im Original einfach einen unvergleichlich höheren Charme ausübt. Aber dies einem Synchronsprecher vorzuwerfen, wäre schlichtweg unfair.
Kurzum: wirklich störende Einflüsse gibt es keine und handlungsbedingt liess sich auch nicht sehr viel mehr, als letztlich vernommen werden kann, aus „Gods and Monsters“ herausholen. Der verbalen und emotionalen Intensität des Filmes wirkt das Fehlen jeglicher Effekthascherei keineswegs entgegen; im Gegenteil: die ausgesprochen intensiv erlebbare „Ruhe“ mag sich hier zwar etwas paradox anlesen, wirkt aber umso entscheidender!
 
Zu den Features
 
Als von Kinowelt vertriebenes Arthaus-Label-Produkt bringt „Gods and Monsters“ einen eigenen Menü-Stil mit sich. In Form einer feinen 3D-Rendering-Animation betreten wir einen Kinosaal und gelange über recht beschwingte Umweg zu unserem gemütlichen Logensitz. Die Perspektive schwenkt dann um und zeigt die große Kinoleinwand, auf der sich dann das Menü-Bild der DVD breit machen darf.
Im noch dazu fein vertonten Menü finden wir dann aber die übliche, eher einfach gehaltene Struktur vor – aber es muss ja auch nicht immer pompös ausfallen, schon gar nicht bei einem Film, für den man sich viel Zeit, Ruhe und emotionale Ausgeglichenheit bereit halten sollte.
Neben den üblichen Spracheinstellungen (einmal mehr mit „aus lizenzrechtlichen Gründen nicht ausblendbaren Untertiteln“, kurz: O.m.U.-Katastrophe) können Kapitel aus animierten Clips heraus angesprungen oder der Film gestartet/fortgesetzt werden. Wegen der O.m.U.-Problematik ist ein Tonspur-Wechsel im laufenden Film leider nicht möglich.
An Extras gibt´s neben einem feinen und informativen Booklet auch einige hochinteressante und sehr ausführliche Texttafeln, die den beschwerlichen Werdegang des Filmes erläutern. Und auch Informationen zu Cast & Crew liegen in Textform vor; getrennt nach Biographie und Filmographie sogar.
Mit dem Kinotrailer (wahlweise in Englisch oder Deutsch) ist das Extra-Budget dann aber auch schon wieder vollständig aufgebraucht – mehr Informationen gibt´s zu diesem grandiosen Film leider nicht.
 
Fazit
 
Grandioses Kino! „Gods and Monsters“ richtet sich zwar eindeutig an die Film-Fans, die es auch mit inhaltlich „schweren Kalibern“ gern aufnehmen und bietet bei weitem keine locker-beschwingte Unterhaltung, läuft ob der grandiosen schauspielerischen Leistungen und des faszinierenden, sehr emotionalen Themas aber doch zur Höchstform auf.
Die DVD selbst bietet zur vollen Entfaltung der filmischen Wirkung ihr Möglichstes auf: selbst an eine leichte Aufwertung in Form eines Ausweiten des originalen Stereo-Formates auf besinnliches Dolby Surround hat man nicht verzichtet – und es zudem noch geschafft, mit dem Ergebnis nicht in der Kategorie „verpatzte Upmixes“ aufzutauchen.
Die Extra-Ausstattung ist knapp, aber o.k. – insbesondere die qualitativ fein zusammengestellten Texte bieten doch ein ordentliches Maß an Information, um über das Fehlen anderer „Fan-Artikel“ hinweg sehen zu können.
 
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