
Black Dahlia (The Black Dahlia, 2006)

Thriller,
 116min, , , Widescreen, (anamorph), PAL, EAN: 7321925002355 |
Wertung und Kurzfazit
| | (3-4/5) - (3/5) - (3/5) - (3/5) - (3/5) |
- spannender und komplexer Kriminalfall
- visuell beeindruckende Umsetzung
- bescheidene Bildqualität, die einen Kauf nicht rechtfertigt
- mäßiger Ton
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| Review von (07.03.2007)
 Gesamtansicht | Zum Film
Von jeher haben Verbrechen des Interesse der Öffentlichkeit erregt, vor allem wenn sie aus den bis dahin gekannten Kriminalitätsmustern und -machenschaften herausfallen. Ganz besonders groß wird die Neugier dabei, wenn es sich um brutalen Mord handelt, der zudem über Jahrzehnte hinweg bis heute nicht aufgeklärt worden ist und somit Spekulationen und Theorien Tür und Tor geöffnet ist. Jack the Ripper ist so ein Beispiel, das auch heute noch unzähligen Autoren und Filmemachern Material liefert. Auch der Fall "Schwarze Dahlie" ist so ein Beispiel (Original-FBI-Akten: http://foia.fbi.gov/foiaindex/short_e.htm). Dass ausgerechnet in diesen Tagen gleich mehrere Filmproduktionen entstehen bzw. auf den Markt drängen, liegt daran, dass das historische Geschehen, das als Ausgangslage dient, sich vor genau 70 Jahren abgespielt hat. Die 22-jährige Elizabeth Ann Short wurde am Morgen des 15. Januar 1947 von einer Spaziergängerin tot auf einem ungenutzten Baugrundstück in Los Angeles aufgefunden. Sie war nackt und ihr Körper war auf bestialische Art zugerichtet worden: Die Mundwinkel waren bis zu den Wangenknocken aufgeschlitzt, der Leib in zwei Teile getrennt, innere Organe herausgeschnitten und die Geschlechtsteile zerstümmelt.
Dieser aufsehenerregende Fall steht im Mittelpunkt von Brian de Palmas Film, der sich bei seiner Betrachtung der Dinge sehr stark auf den Roman des Schriftstellers James Ellroy stützt. De Palma entwickelt also keine eigene Theorie über die auch heute noch ungeklärten Tathergänge, Täter und Motive, sondern nimmt lediglich Ellroys fiktive Idee auf. Der beginnt dabei zunächst einmal gar nicht mit dem eigentlichen Kriminalfall, sondern lässt die ermittelnden Polizeibeamten langsam einführen. Der Zuschauer erfährt von der politischen Situation in Los Angeles in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, von Art und Weise der Beförderung im Polizeidienst und der Jagd nach Verbrechern. Dafür lassen sich die Produzenten sehr viel Zeit, bevor der Fund der Leiche stattfindet und die Ausgansglage für die eigentliche Story geliefert wird. All das Drumherum ist jedoch unabdingbar, um die komplexe Geschichte zumindest im Ansatz verstehen zu können und einen genaueren Einblick in die Charaktere zu bekommen.
Das zentrale Team im ermittelnden Polizeirevier bilden dabei Josh Hartnett und Aaron Eckhart in den Rollen von Dwight Bleichert und Lee Blanchard. Nahezu alle anderen Charaktere stellen lediglich (schöne) Beigaben dar, die die Szenerie ausschmücken sollen; insbesondere die beiden weiblichen Figuren kommen zu kurz und werden auch nur oberflächlich gezeigt - mit Scarlett Johansson und Hilary Swank ist das ganz klar verschenktes Potenzial. Was allerdings zu einem Teil auch daran liegt, dass man ihnen nur wenig Spiel und Mimik zugesteht. Das Verhältnis der Protagonisten ist - typisch für den Film Noir - geprägt von Lug und Trug, Vertrauen und Misstrauen, Ferne und Nähe, dem Spiel mit Gefühlen. Rein bildlich wird dies sehr gut vermittelt und resultiert in starken Hell-Dunkel-Kontrasten und einer Sepia-Charakteristik.
Regisseur Brian de Palma widmet sich mit "The Black Dahlia" nämlich auf opulente Weise einem Spiel aus Licht und Schatten, um das Flair des Film Noir und die Atmosphäre der damaligen Zeit zum Leben zu erwecken. Mit "The Untouchables" oder "Scarface" hat er derartige Gangsterfilme sehr treffend auf die Leinwand gebracht, so richtig klappt es mit "The Black Dahlia" jedoch nicht. Visuelle Sprache allein genügt nicht, ein gutes Drehbuch trägt mindestens genauso viel zum Erfolg bei. Und das Skript ist hier leider in seiner komplexen, verwirrenden und nicht immer ganz einfach zu folgenden Logik nicht stimmig, stellenweise wirkt es komprimiert und erzeugt den Eindruck, Informationen und Handlungselemente weggelassen zu haben. Wenn im Bonusmaterial der Drehbuchautor offenherzig davon spricht, dass er beinahe zehn Jahre am Skript zum Film gearbeitet hat, dann ist das Resultat gemessen an dieser Zeitspanne eine bitterherbe Enttäuschung.
Dem Autor des Romans kann man dabei keine großen Vorwürfe machen, er erzählt seine Geschichte basierend auf realen Fakten, die er um seine eigenen Ideen erweitert. Dass Ellroy dabei eine ganz besondere Beziehung zu diesem Stück Kriminalgeschichte hat, sei zum Schluss noch erwähnt. Er hat hier wie auch (noch stärker) mit seinem Roman "Die Rothaarige" den ebenfalls ungeklärten gewaltsamen Tod seiner Mutter verarbeitet, der den damals Zehnjährigen auf die schiefe Bahn von Verbrechen und später in die Welt von Alkohol- und Drogenmissbrauch trieb. Brian de Palma hat "The Black Dahlia" zumindest optisch den Stempel aufgedrückt, vermag es aber nicht, den Film zu dem ihm gebührenden Ansehen zu verhelfen. Das soll nicht falsch verstanden werden, die Geschichte bietet sehr viel interessante Punkte, um sich den Film mehr als einmal anzuschauen, doch bei genauerem Betrachten treten auch die Minuspunkte gewichtiger hervor. Zum Bild Licht und Schatten sind auch in Sachen Qualität deutliche Merkmale dieser DVD. Für einen Film aus dem Jahr 2006 ist das, was sich auf dem heimischen Fernseher bietet, alles in allem eine Schande. Immer wieder auftretende punktuelle Kratzer auf dem Bild sind dabei nur Marginalien. Auch die Schärfe mag manches Mal gut sein, zu weiten Teilen jedoch dominiert ein matschiges, unscharfes Bild, das massive Probleme mit der Komprimierung des bewegten Bildmaterials hat (z. B. der Rasen bei 12:20). Speziell Gesichter in Nahaufnahme wirken nicht klar (z. B. 26:33), aber auch das Flächenrauschen ist permanent zu kräftig. Zudem ist der Kontrast oftmals viel zu heftig aufgezogen und verschlingt Details, was sich allein durch die visuelle Auslegung nicht rechtfertigen lässt; kräftigere Farben in Kontrast zur Hell-Dunkel-Optik hätte man sich erhofft. Paradoxerweise sind die Bilder im Film, die weitaus älteres Schwarz-Weiß-Filmmaterial zeigen sollen, durchaus besser als die DVD selbst, was Schärfe und Kontrast angeht. Zum Ton Der deutsch wie englisch vorliegende Dolby-Digital-Ton in einer 5.1-Abmischung bemüht sich, bleibt aber deutlich hinter den Möglichkeiten zurück. Eine begleitende Geräuschkulisse ist oftmals gegeben, wenngleich auch dezent und verhalten auf den rückseitigen Lautsprechern. Gleiches gilt für eine musikalische Untermalung, die vor sich hin plätschert. Echter Raumklang kommt kaum zum Tragen. Da weite Teile des Geschehens genretypisch von einem Ich-Erzähler kommentiert werden, spielt sich der größte Teil des Gehörten auf dem Center ab. Insgesamt ordentlich, jedoch mit Steigerungsmöglichkeit nach oben. Zu den Features Quantitativ hat die DVD kaum etwas zu bieten, und das obwohl es doch genug Material gäbe, um Informationen und Spekulationen zum realen Hintergrund zu liefern. Stattdessen werden nur drei Featurettes von zusammen 48 Minuten Dauer geboten. Dabei sprechen u. a. Ellroy und de Palma vom Geschehen, als ob sie 1947 zugegen gewesen wären, insbesondere der Romanautor liefert jedoch interessante Informationen. Dass dabei nur sehr wenige Szenen aus dem Film verwendet werden, ist positiv hervorzuheben. Gutes, wenngleich auch viel zu wenig Zusatzmaterial. Fazit "The Black Dahlia" ist visuell ein stimmiges Erlebnis, dramaturgisch hingegen hinterlässt der Film von einen eher faden Beigeschmack, da vor allem das Drehbuch zu unausgegoren und kompliziert ist. Noch weiter verstärkt wird der unschöne Eindruck durch eine allenfalls durchschnittliche DVD-Umsetzung. Das Bild wird einer modernen DVD-Produktion zu keinem Zeitpunkt gerecht, der Ton bleibt hinter seinen Möglichkeiten. Vor allem aber enttäuschen auch die Extras, derer man sich manche mehr vorstellen könnte. Den Kauf sollten sich Filminteressierte gut überlegen, denn Warner präsentiert hier einen topaktuellen Film in einer DVD-Umsetzung aus dem letzten Jahrhundert.
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