
Das Wiegenlied vom Totschlag (Soldier Blue, 1970)

Drama/Western,
 109min, , , Letterbox, , PAL, EAN: 4008670221011 |
Wertung und Kurzfazit
| | (5/5) - (2/5) - (1/5) - (3/5) - (3/5) |
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| Review von ()
 Gesamtansicht | Zum Film Basierend auf der Novelle ´Arrow in the sun´ von Theodore V. Olsen, beschreibt der Film ´Soldier Blue´ (oder in Deutschland ´Das Wiegenlied vom Totschlag´) einen der dunkelsten Abschnitte amerikanischer Geschichte: den brutalen Überfall der Colorado-Kavallerie 1864 auf ein friedliches Dorf der Cheyenne-Indianer, bei dem hunderte von Menschen (zumeist Frauen und Kinder) auf grausame Art und Weise niedergemetzelt und regelrecht ´abgeschlachtet´ wurden. Der Film ist kein Western, wie man ihn aus den 50er und 60er Jahren her kennt, bei dem strahlende und glorreiche amerikanische Helden (in Verkörperung von John Wayne & Co.) sich gegen ´grausame Indianer´ und ´böse (auch weisse) Banditen´ zur Wehr setzten. Der Film stammt aus dem Jahre 1970 - eine Zeit also, in der der Vietnam-Krieg das Alltagsleben in ganz Amerika bestimmte. ´Soldier Blue´ kann also durchaus als ´Anti-Kriegs-Film´ angesehen werden, der auch - und insbesondere - die US-Armee daran ´erinnern´ sollte, keine grausamen Übergriffe auf friedliche Dörfer zu veranstalten... was leider auch in Vietnam anscheinend mit zur ´Tagesordnung´ gehörte. Der Film ´Soldier Blue´ von Regisseur Ralph Nelson zeigt dem Zuschauer mit grausamer Direktheit und absolut ungeschönt, wie die brutale Realität bei dem Überfall 1864 gewesen sein muss - inklusive abgetrennter Gliedmaßen, Kopfschüssen in Nahaufnahme, Vergewaltigungen und aller nur denkbaren Kriegsgräuel. Das der Häuptling der Cheyenne-Indianer ´Spotted Wolf´ - überliefertermassen - mit einer amerikanischen sowie einer weissen Flagge dem US-Oberst Iverson entgegenritt, um die Friedfertigkeit seines Volkes zu bekunden, ist historisch erwiesene Tatsache... genauso, wie auch das bestialische ´tierische´ Verhalten der ´glorreichen US-Kavallerie´ unter Iversons Führung! Fakten an denen auch die amerikanische Öffentlichkeit nicht ´vorbei kommt´ - auch wenn es die Zensoren in der US-Filmindustrie bis auf den heutigen Tag nach Möglichkeit verhindern wollen: der Film ´Soldier Blue´ wurde nämlich in England gedreht, und ist bis heute in den U.S.A. nicht in einer ´ungeschönten´ (veränderten) Fassung erhältlich - sondern wird dort stark geschnitten als ´Love-Story´ gezeigt!! (PS: Wer immer noch nicht mit der eigenen Historie umzugehen weiss, sollte den Bewohnern anderer Länder nicht vorzuschreiben versuchen, wie sie die ´Aufarbeitung ihrer Geschichte´ durchzuführen haben - Reparationszahlungen inklusive. [Rein persönliche Anmerkung des Rezensenten].) Unter der Prämisse, das der Film als ´Anti-Kriegs-Western´ anzusehen ist, muss man den Mut der Filmemacher und Darsteller loben. Ein hervorragendes Werk, das der Zuschauer niemals wieder so einfach vergessen wird. (Werbespruch der BBM-Best Buy Movie zu diesem Film, dem der Rezensent nur voll und ganz zustimmen kann.) ´Das Wiegenlied vom Totschlag´ ist ein völlig anderer Western, der zum Nachdenken anregt, statt zum Amüsement (wie die John Wayne - Filme). ´Sehr gut!´
Zum Bild Das Bildformat ist 1,85:1 Letterbox - und die Bildqualität kann das hohe Alter des Films keinesfalls verleugnen: Bildfehler aller Sorten sind vorhanden, Dropouts, Schmutzpartikel, Streifen und Schlieren sowie deutlich erkennbares, andauerndes Hintergrundrauschen. Die Farben sind erstaunlich natürlich und durchaus noch ordentlich ausgefallen, wie auch der Kontrastumfang und die Schärfe des Bildes auf ausreichend hohem Niveau liegen. Abgesehen von einer einzigen Stelle, an der der Hut eines Kavallerie-Soldaten eine kleine Sägezahn-Abstufung (Treppenstufen-Effekt) aufzeigt, sind ansonsten keinerlei digitale Artefakte zu vermelden. Das bedeutet also, das das Mastering im Studio ordentlich und sauber verlaufen ist. Auch wenn die Bildqualität objektiv betrachtet ´nur´ ausreichend zu benoten ist, so muss man sagen, dass man den Film wohl nicht (mehr) in besserer Qualität bekommen wird. Überhaupt liegt hier ja die ´unzensierte´ Fassung vor, die mit dem US-amerikanischen ´Liebesfilm´ nichts gemeinsam hat. Hier kann (und sollte) der geneigte Filmfan also über das ´mässige´ Bild hinwegsehen - es ist immer noch vollkommen ´ausreichend´.
Zum Ton Ähnliches wie zum Bild kann man auch zum (leider nur) deutschen Ton sagen: Dolby Digital 2.0 (Stereo oder gar Surround) verspricht das Cover - und so ist der Audiotrack auch kodiert worden. Aber die Tonqualität entspricht nur Mono ohne Surroundeffekte, ohne Bassunterstützung im LFE-Kanal und mit mässiger Dynamik. Die Dialoge erklingen überspitzt und scharf aus der Centerbox, die Musik kann sich kaum entfalten, da die Räume nicht aufgemacht werden können. Der Filmton ist mit ständigem Rauschen, Knistern und Krachen unterlegt. Insgesamt betrachtet ist der deutsche Dolby-Ton ´objektiv mangelhaft bis (noch) ausreichend´ zu nennen. Aber auch hier liegt das ´Problem´ am mangelhaften Ausgangsmaterial, das den Leuten im Masteringstudio keine weitergehenden Möglichkeiten gelassen hat. Also sollte der Filmfan auch über den Ton ´gnädig hinwegsehen´ können- den historischen Film wird man wohl nicht mehr in besserem Ton bekommen können.
Zu den Features Das Menüsystem ist einfach gehalten, wie auch die Kapitelwahl - ohne Animationen, ohne Hintergrund-Filmszene, aber mit Hintergrundmusik. Die Hintergrundinformationen zu den beiden Darstellern Candice Bergen und Peter Strauss sind auf animierten Texttafeln zu lesen - werden jedoch nicht ´vorgelesen´, wie es sonst im Hause EMS/Hecker der Fall ist. Die Infos behandeln die Bio- und Filmografien der Schauspieler. Zum Abschluss sind noch weitere Titel aus dem BBM/EMS-DVD-Angebot als knappe Trailer mit auf die Disc gekommen. Eine ordentliche, durchaus noch ´befriedigende´ Ausstattung - nicht überaus ´üppig´ aber auch nicht beklagenswert.
Fazit Ein klasse Anti-Kriegs-Film ist dieser ´spezielle Western´, den man in Amerika nicht in ungeschönter Fassung sehen kann. Schade eigentlich, denn wer anderen Menschen ´den Spiegel vor Augen hält´, muss sich gefallen lassen, dass man das Gleiche mit ihm macht. Aber sei`s drum. Der Film ist Kult, Klassiker und ´Ermahnung´ in einem. Ein toller Film! Die DVD ist leider in schlechter Bild- und Tonqualität, was allerdings ausdrücklich nicht dem Masteringstudio angekreidet werden darf/sollte, das nicht mehr aus dem vorhandenen Ausgangsmaterial herausholen konnte. Doch aufgrund dieser Tatsache - und der direkten und brutal dargebrachten Filminhalte - kann man ´Das Wiegenlied vom Totschlag´ nur echten Fans weiter empfehlen. Wer den Film bisher noch nicht kannten wird möglicherweise erschrocken sein, über die harte Ehrlichkeit in diesem Western-Klassiker.
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