
Woscheles World: Horror und die Horrorfans
Wer wie ich sich schon als Kind eingenässt hat, wenn er Papa ein Bier aus dem dunklen Keller holen musste, wer bis zum Alter von 16 Jahren das Licht im Flur anlies und vor dem ins Bettchen gehen auch noch nachschaute, ob nicht irgendein Troll unter dem Gestell lauerte, der ist auch im Erwachsenenalter ein richtiger Schisser und immer auf der Suche nach dem Grauen, dem Schrecken und der Angst. Während sich Filmchen wie 'Freitag der 13.' oder 'Ich weiß was Du am 14. August 2001 um 17.27 Uhr unter der Bettdecke getan hast' eher dazu eignen, im gemeinsamen Anschauen mit Freunden den Hefeweizenverbrauch in ungeahnte Höhen zu bringen und die Anwesenheit von Frauen als nicht unbedingt notwendiges Anliegen im psychologisch-sozialen Kontaktbereich zu erfahren, gibt es auch schaurige Schaurigkeiten, die ich nur im Beisein meiner Holden ertrage - und die das nicht mal zu schätzen weiß. Während sich z.B. 'Blair Witch Project', 'Alien', 'Der Exorzist' oder 'Bis das Blut gefriert' weniger durch Splattereffekte hervortun, als durch subtilen Horror, so gerät man im Zuge der Sucht auch mal an Streifen, die man vorab als eventuell grauenhaft einstuft und sich hinterher bestätigt sieht - allerdings auf einer anderen Ebene. Neulich nun geriet ich an eine H.P. Lovecraft-Verfilmung von Stuart Gordon, genannt 'Dagon' - und ermuntert durch ein wirklich schönes Cover, einen durchaus fähigen Regisseur ('Re-Animator'), einem suchtunterstützenden Preis von 9.99 EUR und einem Faible für alles, was aus dem Meer kommt, griff ich zu. Und, naja, es kam wie es kommen musste, ich griff natürlich daneben. Ich will dem Film ja nicht mal gewisse Qualitäten absprechen, aber irgendwie hatte ich den Eindruck, dass keiner dieser spanischen Laiendarsteller jemals eine Schauspielschule besucht hat, jedenfalls nicht länger als bis zu seinem oder ihrem Rauswurf nach 3 Monaten wegen beschränkter Mimik. Die Effektchen waren dann im Zeitalter des Verwöhnens durch digitale Saurierstreifen auch eher geeignet, sich mal daheim mit Microsoft Powerpoint zu befassen, da man ja Ehrgeiz entwickelt, so etwas auch hinzubekommen. Eine gute Kameraführung in einem sehr dekorativen galizischen Dorf (geht da nie in den Urlaub, da schifft es ohne Unterlassung) stand eine Geschichte ohne große Logik gegenüber, bei der in der ersten Stunde auch so gut wie gar nichts passierte. Am Schluss taute dann das Ganze etwas auf, und just bevor ich den Hund zum Pinkeln rauslassen musste, was mich am Einnicken hinderte, drehte der Herr Gordon so auf, dass ich immerhin noch ein paar Möpse sehen konnte, die zwar durch Blutspritzer etwas unappetitlich aussahen, aber mich immerhin an den 80er-Jahre-Scheiss erinnerten, den ich heimlich im Kino in Weilimdorf mit meinem besten Freund Wolfgang ansah. Immer auf der Suche nach dem ultimativen Verriss, wurde mir doch sehr schnell klar, dass sich dafür dieses unwichtige Zelluloidfitzelchen nicht eignete. Zum Leben zuwenig und zum Sterben zuviel. Trotzdem interessierte mich natürlich, was nun meine lieben Mit-Horrorfans so von dem Streifen hielten, und bei meinen Surfabenteuern durch die Weiten des Internets stieß ich auf eine bemerkenswerte kleine Seite, die mich dann das Grauen doch erfahren ließ. Unter http://www.horror-page.de sammeln sich Interessierte der Blutgier zum Austausch und auch eine Filmkritik zu Dagon durfte dabei natürlich nicht fehlen. Diese wurde geschrieben von Vampiria, was mich eigentlich vermuten lässt, das hier eine Frau zugange ist (was ja nicht sein darf) - aber irgendwie würde das meinem Frauenbild, welches ich in den letzten 39 Jahren entwickelte, doch heftigst widersprechen. Neben der Inhaltsangabe zum Film liest man da folgendes: Ich muß gestehen, ich war mir sehr unschlüssig wie ich diesen Film hier richtig bewerten soll. Das ist immer die beste Voraussetzung, Rezensent zu sein. Nie wissen, was man tun soll. Der Film lief im April als Hauptfilm des 1. Tages auf dem Splatterday Night Festival. Da ich an diesem Tag nicht dort war und ich den Film vor kurzem in der Videothek entdeckte, dachte ich auch, dass dies hier ein Splatterfilm sei und wurde folglich etwas enttäuscht. Ich wartete und wartete und was war? Bis auf ein paar sehr wenige Szenen war der Film doch eher harmloserer Natur. Dies bedeutet jetzt allerdings nicht, dass der Film automatisch schlecht ist. Da sitzt der oder die gute Vampiria vor dem Bildschirm und wartet und wartet und wartet und was passiert - da wird nicht gesplattert. Mannomann, was für eine Enttäuschung. Aber natürlich nur für den, der das Abschlachten sehen will. Die Story ist nämlich sehr gut und man merkt durchaus, dass dieser Film einem Roman von H.P. Lovecraft entstammt. Ich denke wenn man keinen Splatterfilm erwartet, dann ist man vermutlich sogar durchaus hellauf begeistert von dem Film. Na das ist ja einfach - am Besten man erwartet keinen Splatterfilm und dann ist der Film spitze. Sollte ich mal bei 'Driven' probieren. Ich habe mich daher jetzt mal für die Vergabe von 4 Sternen entschieden. Einordnen würde ich den Film in die Abteilung Fantasy-Horror. Aha, 4 Sterne - mal was anderes als die umgedrehten Schulnoten auf dem Rest der Seite. H.P.Lovecraft (1891-1937) ist übrigens einer der bekanntesten Fantasyautoren die es je gegeben hat. Dagon schrieb er bereits 1917. Da dies hier jedoch eine Filmkritik ist, möchte ich euch jetzt nicht weiter mit seinem Werdegang nerven, sondern verweise mal für Interessierte auf das viel geliebte Internet, wo ihr auch eine Menge seiner Geschichten nachlesen könnt. Es lohnt sich! Kommen wir also wieder zu dem Film selber! Perfekter kleiner Einschub. Merke: Ein Rezensent, der nervt, den liest man nicht weiter, also einfach sagen, man will nicht nerven. Dann wird man es schon nicht tun. Die Atmosphäre in dem kleinen, düsteren Fischerdorf ist sehr gut gelungen. Es regnet reichlich und oft wird alleine schon durch Schattentechniken eine gewisse Gänsehaut beim Betrachter erzeugt. Alle Gebäude sehen reichlich vermodert und alt aus. Vor der Küste peitschen die Wellen an Felswände...bei einem Sturm oder Regenreichen Tag (oder Nacht) ist dies bestimmt der ideale Film um sich ein wenig zu gruseln und danach angenehm zu träumen. Also, meine Gänsehaut kam einfach nicht. Nicht mal bei den Schattentechniken. Und geregnet hat es auch. Effekttechnisch ist ebenfalls soweit alles ok, einige der Viecher in dem Ort sind recht fantasievoll gestaltet und sogar die wenigen Splatterszenen sind recht gut dargestellt (Bsp: Das Abziehen des Gesichtes von dem Penner ist ganz nett). Nur halt leider sind sie recht rar, was bei mir somit ein dickes Minus bedeutet. Die Viecher sind Menschen, die sich in Fischwesen verwandeln. Viecher eben. Und stimmt, das Abziehen der Gesichtshaut war nett. Sehr nett. Fast so nett wie die Käseverkäuferin beim Edeka-Markt oder meine Beste, wenn sie mir abends noch einen Tee macht. Nett eben. Und wenn nicht genug gesplattert wird, gibt es Minus. Wie auf meinem Girokonto. Oder draußen im Moment. Minus eben. Da ich den Film auf DVD gesehen habe, muß ich sagen, dass Bild und Ton sehr gut sind. Da könnte ich Dir Sachen zeigen..... Außer ab und zu dem Rauschen des Meeres ist kein weiteres Rauschen zu hören. Der war gut! Schauspieler sind mir ( wie so oft mal wieder unbekannt), aber sind akzeptabel. Na das ist ja beruhigend. Und wenn interessieren schon Namen, wenn es Splatter gibt. Dagon ist der 3. Film des Regisseurs Stuart Gordon. Naja, knapp daneben (ist auch vorbei). Ist sein zwölfter (mit allen Fernseh- und Videoepen). Und es gibt ja das viel geliebte Internet, wie zum Beispiel die IMDB, aber ich will ja nicht nerven. Kommen wir also wieder zu der Kritik selber! Seine vorherigen Filme waren „Re-Animator“ und „From Beyond“ und wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, basieren auch diese beiden vorherigen Filme auf einem Lovecraftroman ( mir jedoch eher unbekannt). Hast Du richtig verstanden. Und heißt eher unbekannt nun vollkommen unbekannt oder schon mal gehört, aber wieder vergessen, weil zu wenig Splatter und deswegen dickes Minus? ^v^ FAZIT: ^v^ Immer gut! Ich empfehle den Film mal jedem, der sich gerne Fantasyfilme anschaut. Zu ernst nehmen sollte man diesen Streifen hier natürlich nicht. So ein Mist. Ich nehme Fantasyfilme immer ernst. Wieder nix! Es ist halt ein Grusel- Fantasyfilmchen, das auch durchaus für den ein oder anderen Lacher sorgt. Zu ängstliche Menschen sollten diesen Film jedoch meiden. Ich bin ängstlich und tat es nicht. Was habe ich getan? Bianca, hilf....... Über die Altersfreigabe lässt sich bekanntlich mit mir streiten, daher gebe ich dazu auch keinen Kommentar mehr ab. Jeder sollte halt selber am besten wissen, was er sich in welchem Alter anschaut. Genau. Und nach dieser Kritik wissen wir - auch zwölfjährige Horrorfans können sich artikulieren. Und sei es nur im geliebten Internet. Auch wenn zuwenig gesplattert wird. Was natürlich Minus gibt. Aber ich will ja nicht nerven, deshalb zurück zu meiner Welt: Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaah........................ |