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Woscheles World: Kiss of the Dragon
Luc Besson ist Franzose – und eigentlich mag ich ihn sehr. Immerhin schuf er mit „The Big Blue“ einen meiner Lieblingsfilme, dessen erste Farbbildeinstellung (das Blau des Meeres auf Sizilien) auch jetzt noch mein kleines Fische-Herz zu Tränen rührt. Und wenn nicht diese Erinnerung wäre, so könnte ich ihm ab sofort die cinematographische Freundschaft kündigen. Denn was Monsieur hier als Drehbuchschreiber geschustert hat, dass verletzt meine kleine Apnoe-Taucher-Seele. Was heisst schon Drehbuch - Drehzettel oder Drehbierdeckel wäre passender. Denn unter einem Buch stellt man sich mindestens 2 Seiten vor, die man lesen kann. Das, was in diesem Trägerfilm für Hongkong-Superstar Jet Li als Plot vorkommt, hätte auf einem Heftpflaster Platz genug, um niedergeschrieben zu werden. Jet Li ist Asiate – und eigentlich mag ihn ihn sehr. Der einzige Asiate übrigens, den meine Freundin gutaussehend findet. Jackie Chan ist ihr zu unmännlich, Sumo Ringer sind ihr zu fett und Oliver Khan hat ihr zu kleine Augen. Und das 39-jährige kleine Kerlchen ist wirklich wieselflink, so schnell, dass man bei Lethal Weapon 4 manche Kampfszenen langsamer ablaufen lassen musste, um sie nur zu erkennen. Dass Herr Li genug Hongkongdollar verdient hat und sich nun des westlichen Marktes annehmen möchte, ist ja legitim. Und das er zwischen den Dialogen das machen sollte, was er am besten kann – verkloppen – das ist ja auch in Ordnung. Doch sollte er seinen zukünftigen Fans wenigstens den Hauch der Chance geben, ein wenig schauspielerisches Talent zu zeigen – nachher wird er noch irgendwann einmal durch ein Computerprogramm ersetzt, denn die können sich ja auch verhauen. Und vielleicht sollte er nur mit Frauen drehen, die in seiner Etage spielen – was die Körperhöhe betrifft. Die ersten Minuten rätselt man vergebens herum, wer denn da eigentlich wer ist. Da kommt so ein „lonely chinaman“ nach Paris, kennt eigentlich keine Sau und muss feststellen, dass der komplette Polizeiapparat korrupt ist und unter der Führung der Bösewichtskarrikatur Inspektor Richard (Tchéky Karyo) wütet und mordet, wie es ihm gefällt. Und natürlich stellt sich dann heraus, dass unser Held Li der gute Chinese ist, der von seinem Land gesendet wurde, um der Pariser Polizei bei der Suche nach Drogenhändlern zu helfen und dass man ihm, nachdem er den Bösen auf die Schliche gekommen ist, nach dem Leben trachtet, indem man ihn zum Abschuss freigibt. Wir wollen uns hier nicht über die Kampfszenen unterhalten, die sind zugegebenermaßen putzig und entbehren nicht einer gewissen Akrobatik und Choreografie. Es ist ja auch ganz nett anzusehen, wenn eine durch eine Handgranate geteilte Persönlichkeit hälftig aus dem Wäscheschacht kippt oder Jemand 2 Essstäbchen nicht oral, sondern durch den Kehlkopf eingeführt bekommt. Was spätestens nach 20 Minuten ganz tierisch auf die Nerven geht, ist, dass sämtliche Polizisten der Seinestadt seit neuestem mit der Lizenz zum Töten ausgestattet sein müssen – egal ob Gangster, Putzfrau oder zufällig anwesender Passant davon betroffen ist. Da wird an jedem noch so öffentlichen Platz mit der Uzzi rumgeschossen, dass die Schlacht bei Stalingrad dagegen aussehen musste wie eine Kirmesschlägerei. Im Hotelflur..... ratatatatatatatatatata......in der Lobby ..... ratatatatatatatatatata......auf einem Touristenschiff ..... ratatatatatatatatatata! Ein falscher Spruch, und man hat Blei um die Ohren. „Entschuldigen sie Monsieur Flic, können sie mir sagen, wie spät es ist?“ ..... ratatatatatatatatatata......!!!! Kein Schwein scheint sich dafür zu interessieren, wer wen wann und warum abknallt – Hauptsache die Polizei hat geschossen. Und wenn dann dieser vollkommen überzeichnete Oberbösewichtsinspektor auf die Frage, warum er einen Chinesen erschossen hat, antwortet: „Davon gibt es eine Milliarde, da fallen ein oder zwei weniger gar nicht auf!“, dann kann man nur hoffen, dass dieser dümmlich rassistische Spruch erst durch die Übersetzung hereingekommen ist – und dass China nach Ansicht dieses Filmes Frankreich nicht den Krieg erklärt! Bridget Fonda ist Amerikanerin – und eigentlich mag ich sie sehr. Dass Kleiderständer wie Estelle Warden in „Driven“ oder Cindy Crawford in „Fair Game“ nur als Stichwortgeberinnen dienen, wenn sie gerade mal nicht gepoppt werden, liegt auch daran, dass das Wort „Talent“ bei ihrer Schauspielneigung zumindest nicht zu den Top 100 Wörtern gehört. Wenn sich aber eine wirklich gute Schauspielerin wie Bridget für eine solch klischeevermatschte Nuttenrolle hergibt, wie in diesem Film, dann kann man nur hoffen, dass Paris nett, die Baguettes am Drehort frisch und die lauen Sommernächte erotisch waren – ansonsten würde von diesem Betriebsausflug erinnerungstechnisch nicht viel übrig bleiben. Selbstverständlich steht in der 9 ½ -Millionen-Stadt genau die Bordsteinschwalbe Fonda, die beim anfänglichen Mord Zeuge war, vor dem chinesischen Laden, in dem der gute Jet Zuflucht gesucht hat. Was ein Zufall! Und natürlich ist sie eine gute Nutte. Sie hat nur 5 Kunden pro Woche (andere 25 am Tag), sie ist von den Drogen runter (und wird vom bösen Inspektor wieder an die Nadel gebracht) und sie hat eine liebevolle kleine Tochter (bei deren Anblick man auf die Idee kommen könnte, dass man vielleicht doch mal „H“ ausprobieren sollte – wenn die Kids dann so süß werden), die sie natürlich nicht mehr sehen darf. Und wie jede Prostituierte wird sie regelmäßig von ihrem Zuhälter gut durchgeprügelt – weil die Kunden ja so auf Hämatome und Narben stehen (genauso wie auf fettige Haare und verwischtes Augenmakeup, welches sie verkaufsfördernd während des gesamten Filmes zur Schau stellt). Ganz drollig wird es dann, als der Gutmensch Jet ihr 2 Säckchen mit farbigen Krabbenchips mitgibt (Kunststück, sind ja auch nicht seine, sondern die des Ladeninhabers, der allerdings den Verlust nicht merkt, da er ..........ratatatatatatata......... na ihr wisst schon......) und sie ihn fragt, ob er als Bezahlung nicht einen kleinen Bums möchte – weil sie ja sonst nichts anderes zu Bieten hat. Oooooooooooooch! Ist das nicht lieb von ihr? Natürlich lehnt Mr. Li ab – und man fragt sich, ob das der Friseur nicht auch gemacht hat, bei dem, was sie so auf dem Kopf spazieren trägt. Bridget, oh Bridget, war der Drehzettel in für Dich in unverständlichem Französisch oder wurde dir dein letzter Bausparvertrag vorzeitig gekündigt? Ein weiterer Überflieger intelligenter Filminszenierung ist die Szene, wo Monsieur Li und Mademoiselle Fonda versuchen, ihr kleines Töchterchen aus dem Kinderheim zu befreien. Da lauern in einem Schlafsaal, in dem ca. 50 Kleinkinder mucksmäuschenstill herumliegen, 2 arisch-strohblonde Muskelprotze aus der Gefolgschaft des Inspektors den beiden auf, ohne das vorher ein Kind anfängt zu sprechen, schreien oder weinen. Erst als es dann zum Gekloppe kommt, rennen alle hysterisch aus dem Saal – vermutlich zur seelischen Reinigung des im Beisein der Pariser Polizei abgelegten Schweigegelöbnisses. Und natürlich wird Mademoiselle verwundet und Düsen-Jet bringt sie zu Fuß ins Krankenhaus - und wo vorher keine 10 Sekunden vergingen, bevor er trotz geheimster Geheimhaltung von den Spähern ertappt wurde, sitzt er jetzt seelenruhig ohne polizeiliche Anteilnahme Stunden in einem öffentlichen Krankenhaus rum. Mit einer Schussverletzten! Beim fälligen Showdown wird es dann ganz krass – Karate Tiger Li zerlegt die Polizeidienststelle, in der Monsieur Inspektor seinen Dienst tut. Nicht nur, dass er natürlich selbst gegen 30 im Nahkampf ausgebildete Polizisten auf einer Judomatte die Oberhand behält (die, wie in solchen Filmen üblich, immer einer nach dem anderen auf ihn zukommen – vielen Dank), nein, auch Verstärkung eilt natürlich nicht herbei. Die Einmannarmee kann also in aller Seelenruhe die komplette Belegung inklusive der 2 Blond-Arier aus dem Weg räumen, bevor der Inspektor dann auch noch ins Gras beisst. Und wie unappetitlich – anstatt ihn wie ein Mann zu verdreschen, jagt ihm Jet „Die Nadel“ Li auch noch ein Akupunktureisen (welche er zur Feindbekämpfung wie Schneider Böck um das Handgelenk gebunden hat) in den Nacken – mit der Folge, dass das Blut in den Kopf rein, aber nicht mehr aus dem Kopf raus kann. Aha! Vielleicht hätte man die Skriptschreiber mit dieser Methode vertraut machen sollen, und es wäre eventuell in Betracht gezogen worden, die Logik nicht zu 100 % auszuschließen. Der Todeskampf des bösen Bösen (erinnert schwer an das Abmurksen des Androiden in „Alien“) ist dann genauso überflüssig wie das Schlussbild: Jetski Li hockt am Krankenbett seiner Zukünftigen mit deren Tochter und alle grinsen in die Kamera. Irgendwie kamen mir dann Wörter wie „Einreisegenehmigung“, „Arbeitserlaubnis“, „Adoptionsantrag“ und „Heiratsurkunde“ in den Sinn. Und vielleicht muss sie ja jetzt nur noch 3 mal die Woche ran! Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaah................................
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Quelle: DVD Center (ws)
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